Die Palästinenser können beruhigt sein: «Luzerns Stadtrat steht hinter den Forderungen der palästinensischen Bevölkerung nach politischer Autonomie», teilte ihnen der Grüne Ruedi Meier, Chef des städtischen Sozialdepartements, vergangene Woche mit. Allerdings musste Meier dann doch den Zeigefinger heben. Leila Khaled, die am 28. April in Luzern (und am 1. Mai in Zürich) auftreten wird, sei kaum «eine gute Botschafterin für die palästinensische Sache».
Da wird Jassir Arafat über die Bücher gehen müssen: Bringt es nicht einmal fertig, eine taugliche Botschafterin an die Reuss zu senden. Schickt eine 57-jährige Frau, die zweimal, 1969 und 1970, ein Flugzeug entführt hat und damit eine Terroristin ist sowie eine «Ikone», wie Lokaljournalisten einander abgeschrieben haben. Ein weiblicher Che Guevara sozusagen, mit Kopftuch und Kalaschnikow.
Immerhin hat Leila Khaled erreicht, dass sich die gesamte Luzerner Parteiprominenz als kollektiver Think-Tank in Sachen Nahost outet. Kommentar von rechts bis links: Im Prinzip darf auch ein Palästinenser reden aber doch nicht diese Frau! Tauben sollte man einladen, nicht Falken, fordert die Lokalpresse.
Als Folge des Gezerres darf Frau Khaled nun nicht im Pfarreizentrum zu Barfüssern auftreten. Flugzeuge zu entführen, ist ja nicht gerade ein Vorgang, den man als katholisch werten könnte. Also hat die Kirchenleitung beschlossen, den bereits zugesagten Saal wieder zu sperren. «Die Sicherheit wäre nicht garantiert.»
Der Vorgang muss der pensionierten Luftpiratin ein Kribbeln verschaffen, wie sie es seit Jahren nicht mehr gespürt hat. Immerhin darf sie seit Anfang 1996, wie die israelische Presse vermerkt, auch wieder nach Palästina einreisen, von wo sie 1948 vertrieben worden war.
In Luzern wird sie jetzt nach langer Zeit wieder einmal dieses hehre Gefühl der Illegalität geniessen dürfen: Nur per Mail (mail@phase1.net) wollen die Veranstalter Interessierten nämlich den Ort bekannt geben, an dem Frau Khaled am Samstag auftritt: ein klandestiner Akt so ganz nach dem Geschmack von Terroristinnen, nehmen wir an.
Artur K. Vogel
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