Am Samstag, 28 April um 19.30 Uhr findet im Pfarreizentrum Barfüesser an der Winkelriedstrasse 5 in Luzern eine von phase 1 organisierte Veranstaltung mit Leila Khaled statt. Sie spricht über den Friedensprozess im Nahen Osten, die palästinensische Intifada und soziale Befreiung. Anschliessend steht sie für Fragen und Diskussion zur Verfügung. Die Moderation bestreitet Birgit Althaler. Sie arbeitet für die renommierte Zeitung Le monde diplomatique, war bereits mehrfach in Palästina und ist eine fundierte Kennerin der Materie.

Diese Veranstaltung bildet den Anfang der Aktivitäten der phase 1 zum diesjährigen 1. Mai. Am 1. Mai selbst organisieren wir ab 15.30 bis 00.00 Uhr ein interkulturelles Fest im Sentitreff und wir werden aktiv an der Luzerner 1. Mai-Demo teilnehmen. Zudem werden wir auf dieses Datum auch unser neues Grundlagenpapier präsentieren.

Die Verpflichtung von Leila Khaled als 1. Mai-Rednerin in Zürich hat zu grossen Kontroversen geführt. Bei verschiedenen PolitikerInnen und Medien stiess die Wahl der «Luftpiratin» und «Ex-Terroristin» auf heftige Kritik. In der Polemik, die sich um die 1.-Mai-Rednerin entwickelt hat, kommt die heute in Amman lebende, 57-jährige palästinensische Mutter nicht zu Wort. Wer ist Leila Khaled?

Leila Khaled ist das Symbol der palästinensischen Revolution. Sie weiss, dass der Friede im Nahen Osten nur erreichbar ist, wenn der zu gründende palästinensische Staat seinen BewohnerInnen eine soziale Perspektive bieten kann und die Rechte der 5 Millionen Flüchtlinge anerkannt werden.

Leila Khaled wurde 1948 als 4jährige aus ihrer Heimatstadt Haifa vertrieben. Sie wuchs mit ihrer Familie im Libanon auf. In der Aufbruchstimmung der 60er-Jahre befreite sie sich aus den Zwängen der patriarchalen arabischen Gesellschaft. Mit 16 schloss sich die junge Frau dem «Arab National Movement» (ANM) an. Nach dem 6-Tage-Krieg radikalisierte sich die Bewegung. Leila Khaled ging 1968 zu der aus dem ANM hervorgegangenen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PLFP).

Die PFLP wollte die Palästina- Frage nicht mehr korrupten arabischen Regierungen überlassen. Mit Flugzeugentführungen – bei denen notabene keine PassagierInnen zu Schaden kamen – wollte man ein Zeichen setzen und die palästinensischen Massen mobilisieren. Nach der blutigen Konfrontation zwischen den PLO-KämpferInnen und der Armee des reaktionären jordanischen Königs Hussein und der Niederlage der PalästinenserInnen im Juni 1971 ging die PFLP auf Distanz zu den früher für richtig gehaltenen Aktionen.

Heute steht Leila Khaled für die Kritik am Osloer Friedensprozess zwischen Israel und der PLO. Dessen Scheitern ist im September des letzten Jahres mit dem Aufstand der PalästinenserInnen in den besetzten Gebieten (Intifada) für alle Welt sichtbar geworden. Leila Khaled kämpft nicht für die Al-Aksa-Moschee, sondern um den Zugang zu Wasser und Bildung und die Rechte der fünf Millionen Vertriebenen, die seit Jahrzehnten in Flüchtlingslagern leben. Sie engagiert sich für Frauen- und Kinder-Projekte in den palästinensischen Autonomiegebieten. Sie will einen lebensfähigen palästinensischen Staat, und kein Bantustan von Israels Gnaden. Und sie will mit jenen Kräften in Israel kooperieren, die den Traum einer binationalen, israelisch-palästinensischen Gesellschaft nicht aufgegeben haben.