Luzern, 29. Juni 2001
MEDIENMITTEILUNG
Skulptur «Nike 1989» im See versenken!
Heute Freitag wird im Beisein des tschechischen Präsidenten Vaclav Havel auf dem Europaplatz die Eisenskulptur «Nike 1989» der Stadt Luzern übergeben. Diese Skulptur soll den Sieg von Freiheit und Demokratie über den Kommunismus in der ehemaligen Tschechoslowakei symbolisieren.
Für uns ist die Symbolik dieser Skulptur ein Hohn und wir wehren uns dagegen, dass sie in der Stadt Luzern aufgestellt werden soll.
Sehen wir einmal von der Frage ab, was das Herrschaftssystem in der ehemaligen Tschechoslowakei mit «Kommunismus» zu tun hatte. Auch unter kapitalistischer Herrschaft sind Freiheit und Demokratie nicht gewährleistet!
Anlässlich der Proteste gegen den Kongress von IWF und Weltbank in Prag im September 2000 wurden die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt und die Menschenrechte aufs Gröbste verletzt.
Zuerst haben wie tschechische Medien berichteten - als Demonstranten verkleidete agents provocateurs der Polizei gewalttätige Krawalle angezettelt. Dann wurden über 850 Menschen wahllos alleine aufgrund ihres Aussehens verhaftet. Den Verhafteten wurden die grundlegendsten Rechte verweigert und sie wurden zum Teil sogar gefoltert, wie Berichte von Amnesty International und der tschechischen Organisation OPH festhalten. Den Gefangenen wurde weder ein Telefonanruf noch das Beiziehen eines Anwaltes gestattet. Sie erhielten keine Nahrung und durften nicht schlafen, es wurde ihnen die Benützung von Toiletten verweigert. Verletzte erhielten keine medizinische Versorgung. Sie mussten trotz Kälte die ganze Nacht kaum bekleidet im Freien verbringen. Zum Teil wurden Skinheads in die Zellen gelassen, welche die Gefangenen verprügelten. Die Verhafteten wurden aber auch von Polizisten aufs Gröbste misshandelt: Sie wurden in Gesicht und Bauch getreten, mit Eisenstangen geschlagen. Ihre Köpfe wurden gegen die Wand geschlagen, es wurden ihnen Arme, Finger, Rippen und Nasenbeine gebrochen. Viele erlitten schwere Verletzungen. Zum Teil wurden Gefangene über eine halbe Stunde lang verprügelt bis sie das Bewusstsein verloren. Die Tschechische Republik wurde deshalb auch vom UNO-Komitee gegen Folter gerügt.
Auch in der Schweiz (und vielen anderen Ländern) erlebten GlobalisierungskritikerInnen polizeiliche und militärische Repression. Bei unliebsamen Meinungen scheint die Meinungsäusserungsfreiheit aufzuhören.
Wir haben andere Vorstellungen von Freiheit und Demokratie. Deshalb und weil sich anscheinend kein geeigneter Standort finden lässt, plädieren dafür, die Skulptur «Nike 1989» im See zu versenken.
Bis bald in Salzburg und Genua