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In dieser Rubrik geben wir denen eine Stimme, die sonst nicht zu Wort kommen. Schickt also Eure Presse-Communiqués, Flyers, etc. an news@phase1.net.Wir werden sie hier veröffentlichen.

Dezember 2000

29. Januar 2001
Credibility of meeting threatened by policing say NGOs aktionen
> Davos > Amnesty.org
Sixteen nongovernmental organisations, including Amnesty International, Greenpeace and Oxfam, have today written to the President of Switzerland to express concern at the Swiss authorities' response to protests at Davos. The meeting of the World Economic Forum has been marred by the arrest and intimidation of people engaging in peaceful demonstrations.

The signatories to the letter accuse the Swiss authorities of transforming the ski resort of Davos into a "fortress" and of curtailing "the right of assembly and free speech." The organisations state that the "credibility of the Davos meeting is threatened if debate is stifled." The letter cites specific examples where representatives of nongovernmental organisations were prevented from peacefully expressing their opinions.

The text of the letter can be read here
28. Januar 2001
Pressecommuniqué Anti-WTO-Koordination aktionen
> Davos > Anti-WTO-Koordination
Die Anti-WTO-Koordination betrachtet laut ihrem Pressecommunique die Blockaden und Demonstrationen als grossen Erfolg.
Entsetzt zeigt sie sich über den massiven und unverhältnismässigen Polizeieinsatz und wird Klage wegen Nötigung und Amtsmissbrauch einreichen.

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28. Januar 2001
Ein Tag als Terrorist
Eindrücke eines friedliebenden Demonstranten
aktionen
> Davos > An: mail@phase1.net
Fd. Der vorliegende Augenzeugenbericht verspricht – und dafür bürge ich – ein grosses Mass an Objektivität. Er soll einen Gegenpol zur allgemeinen sensationsgierigen Berichterstattung bilden, denn es wird im folgenden nichts beschönigt und vertuscht. Das Zauberwort heisst Unabhängigkeit.

Schon auf dem Weg nach Zürich bekam ich den Big Brother – Aspekt unseres Staates zu spüren: Ein Kondukteur wurde dabei belauscht, wie er Polizisten Angaben zu meinem Äusseren machte. Überraschend ist diese Tatsache keineswegs, ist doch auch die polizeiliche Behörde sowie die snobistische Oberschicht unserer Gesellschaft nur über die Meinungsbildung per oberflächliche Aussehensbegutachtung erhaben.
Der Zürcher Hauptbahnhof hatte an uniformiertem Polizeiangebot nicht viel zu bieten, es lässt sich also leicht auf eine grössere Anzahl heimlicher Höriger schliessen. Diese erkannte man während der anschliessenden Zugfahrt nach Landquart aufgrund der eigenartigen schwarzen Dingern, mit denen jeweils eines ihrer Ohren versehen war. Die Anreise verlief friedlich, ebenso das kollektive Aus- und Umsteigen um Bahnhof der vermeintlichen Zwischenstation. Es tut mir leid, all die medialen Ankündigungen nach Terror nicht bestätigt zu haben. Folgend ein unbegründetes, dreiviertelstündiges Warten auf die uns angesagte (!) Abfahrt in Richtung Davos und ein anschliessendes Wiedereinfinden auf dem Perron des Landquarter Bahnhofes. Mittag, halb ein Uhr.


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28. Januar 2001
Trotz Provokationen der Polizei blieb die Demo in Davos friedlich. aktionen
> Davos > Indy-Media
Am Morgen gingen viele von uns zu der „Public Eye on Davos“ Konferenz, da das der einzige Ort war, der noch einigermassen sicher war vor den Bullen. Von 12 Uhr 30 an machten sich dann die ersten Gruppen aufden Weg zum Bahnhofplatz. Mir machte das etwas sorgen weil ich dachte, es wäre besser wenn wir alle zusammen hingehen würde. Um 13.15 Machte auch ich mich mit etwa 50 anderen auf den Weg. Singend und Sprechchöre rufend machten wir uns auf den Weg zum Bahnhofplatz. Auf dem Weg zum Bahnhof begegneteten wir einigen Bonzenwägen. Wir liessen sie passieren. Ein Davoser Autofahrer, der uns sah betätigte in Panik den Rückwärtsgang um uns zu entkommen. Hier sah man was für eine Wirkung die Panikmache von Polizei und Medien hatte. Kurz darauf sahen wir an der Kreuzung zur Promenade einen Polizisten, der sich gerade rennend auf den Weg machten um seinen Freunden mitzuteilen, dass wir kamen.
Auf der Promenade angelangt sahen wir das der Weg blockiert ist. Wir konnten dann allerdings über den Parkplatz gehen, um so zum Bahnhofplatz zu kommen. Der Bahnhofplatz war allerdings mit einem Eisengitter
abgeriegelt. Die Bullen machten aber nach einigen Minuten netterweise auf. Der Plan war wahrscheinlich gewesen, dass wir zu den anderen Demoteilnehmer gehen würden, und sie dann hinter uns wieder zumachen können. Der Bahnhofplatz ähnelte stark einem Zwinger. Wir waren zum Glück nicht so Blöd und stellten uns so neben das Eisentor, dass sie es nicht schliessen konnten. Daraufhin riefen wir die anderen Demoteilnehmer dazu auf, auf unsere Seite zu kommen. Nach einigem Zögern taten, die das auch. Wir waren nun etwa 300 Leute. Inzwischen war vor uns ein Wasserwerfer aufgefahren. Nach kurzer Zeit zog er sich aber so zurück, dass wir weiter konnten. Unser nächstes Ziel war das Kongresszentrum. Immer noch lautstark doch friedlich machten wir uns auf den Weg. Wir gingen wieder über den Parkplatz ein Eisengitter und ein weiterer Wasserwerfer liessen uns jedoch einen Moment zögern. In der nähe war jedoch ein Schneehaufen, über den nun die ersten ihren Weg bannten. Nachdem ein Paar Leute den Schneehaufen überquert haben, drohte die Polizei, Gummischrot und Wasserwerfer einzusetzen. Wir versuchten die Nachricht mit Sprechchören zu übertönen. Die Polizei gab ihr vorhaben kurz danach auf, vielleicht weil die Theologische Bewegung anfing zu
singen. Als die Leute alleauf der anderen Seite angelangt waren zog sich der Wasserwerfer zurück. Dies wurde mit klatschen quittiert. Danach kamen wir wieder zur Promenade. Vor uns versperrte jedoch ein Eisengitter den Weg. Einige versuchten über die Wiese zum Kongresszentrum zu kommen.

Als die Polizei aber anfing mit dem Wasserwerfer rumzuballern kehrten sie nach kurzer Zeit zu den etwa 100 Meter entfernten anderen Demoteilnehmer zurück. Wir waren nun mehr oder weniger eingekesselt. Nutzten jedoch die Gelegenheit eine kurze rede zu halten. Wir mussten alle etwas enger zusammenrücken damit es jeder hören konnte, weil wir kein Megaphon dabei hatten. Auf dem Buckel eines anderen Demoteilnehmers hielt darauf eine Demoteilnehmerin die Rede. Sie brach darin zum Ausdruck, das wir enttäuscht und empört sind, dass nur so wenig Leute nach Davos kommen konnten, und das wir eigentlich Tausende wären. Sie sagte
zudem, dass ein Teil der Leute die raufkommen wollten die Autobahn blockierten. Darauf versuchten wir weiterhin mit Sprechchören auf uns aufmerksam zu machen. Einen der passendsten fand ich „Wir sind die Guten, ihr werdets nicht vermuten“. Nach verhandlungen liess uns die Polizei schliesslich abziehen. Sie versprach uns bis zum Bahnhofplatz den Weg frei zu machen und tat das auch. Am Bahnhofplatz hingen wir dann noch unsere Transpis auf. Danach löste sich die Demo langsam auf.

Ich finde es schade, wenn diese Demo durch die Geschehnisse in Zürich kaum zu Wort kommt. Ich verstehe die Wut, die in Zürich ausgebrochen ist durchaus. Nach aussagen eines Kollegen hat die Polizei auch in Zürich massiv provoziert. Trotzdem war die Demo in Davos eine Starke Demo. Sie zeigte auf, dass wir grundsätzlich friedlich sind und die Gewalt von der Polizei und dem WEF auskommt. Das zusammenkommen für die Rede war ein Symbol für unsere Basisdemokratische Idee und unser Glaube an das Verantwortungsgefüll jedes einzelnen. Ihre Gittertore und Wasserwerfer jedoch liessen an Hierarchie und Repressionsmassnahmen denken.

Vielleicht hätte es in Zürich auch anders kommen können, wen die Leute ruhig geblieben wären. Die Einsatzmittel der Polizei dienen eher dazu Wut und Angst zu schüren. Wenn man Cool bleibt reicht es aber nicht um eine Demo zu zerstreuen. Was hätte es für ein Bild gemacht wenn die Polizei gegen gänzlich oder fast gänzlich friedliche Demonstranten Tränengas und Gummischrott eingesetzt hätte? Nach kurzer Zeit hätten
sie aufhören müssen, weil es so schlecht ausgesehen hätte und das Medienecho wäre entsprechend ausgefallen.

27. Januar 2001
Welthandelsorganisation in Genf gestürmt und bepisst aktionen
> Genf > Indy-Media
Um 7 Uhr heute morgen haben rund 200 Anti-WEF-AktivistInnen die Hauptzentrale der Welthandelsorganisation (WTO) gestürmt. Die Aktivisten und Aktivistinnen sprühten pissten (sic) ihr Statement auf Wände und Böden der Innenräume.

Hier die On-line-Version des Statements:

"We are pissed off at the WTO, so we pissed on the WTO" (Anmerkung der Uebersetzerin: was hätten sie gemacht, wenn es im Französischen oder Englischen hiesse:Wir finden die WTO beschissen, also...
Wir protestieren dagegen:

1. Dass die fünf wichtigsten Vertreter der WTO sich auf dem Davos-Treffen befinden.
2. Dr. Schwab eine neue Runde der WTO-Verhandlungen einberufen möchte.
3. Dass das nächste WTO-Treffen in Qatar stattfinden soll, da Qatar
: 1) Menschenrechte in grossem Ausmass verletzt, 2) Demonstration verbietet, 3) oppositionelle politische Parteien verbietet, 4) von Mitgliedern internationaler Organisationen verlangt, sich beim Staat registrieren zu lassen.

Die WTO behauptet sich gegenüber Nichtregierungsorganisationen öffnen zu wollen, doch in Wirklichkeit schottet sie sich durch solche Massnahme ab. Wenn die WTO Qatar als Austragungsort wählt, legitimiert die WTO einen menschenrechtsverletzenden Staat damit innerhalb der internationalen Gemeinschaft.
26. Januar 2001
20 Activists released from Police custody, 1 Injured
> Davos > Indy-Media
.
The 20 people of various nationalities were part of a larger group of anti-WEF activists grouped in several cars who staged a traffic slow down at about 3:30 in the afternoon Thursday in order to slow the potential movement of WEF delegates traveling on the highway in limosines to Davos, as well as to protest the Swiss authorities' violation of basic rights of free expression and free movement during the WEF meeting this week and next.
Many of the activists had previously been blocked by police from traveling to Davos in recent days.

Police Violently Over-react, Illustrating the Atmosphere of Fear and Paranoia Around This Week's Anti-WEF Mobilizations

After about one half hour of slow going, police arrived and stopped 4 of the cars. When one driver locked the door as the police approached, one officer immediately drew a gun on the driver, and another officer smashed the driver-side window with his police baton, causing head injuries to the driver. The driver was then "violently
thrown down to the ground," according to eye-witnesses, and left face-down and handcuffed for an hour.

As a result of the slow-down, as well as from the ensuing police blockade of the highway which lasted an additional half hour after the 4 cars were stopped, the traffic backup on the highway leading to Davos had grown to several kilometers in length. All 20 people were taken to a police station in a nearby town and questioned at length and 4 are being charged with blocking traffic and "creating endangerment." Three of the four who are of non-Swiss citizenship were required to post bail of CHF 1000 before being released.
25. Januar 2001
Frontpage WallStreetJournal: "A tranquil swiss village girds for protesters that arrive with WEF"
> Davos > WallStreetJournal

By ROGER THUROW and VANESSA FUHRMANS
Staff Reporters of THE WALL STREET JOURNAL


DAVOS, Switzerland -- As the barbed wire and steel barricades began arriving on their snowy sidewalks, the bemused citizenry of this famously sedate Alpine town cringed at the looming prospect of joining Seattle and Prague as infamous hosts of antiglobalization protests.

Then came something even more jolting than bumping into riot police in their pastry shops: The U.S. State Department released a routine "public announcement" urging American citizens "to exercise caution and consider deferring travel to Davos" during the World Economic Forum, which begins Wednesday and is the avowed target of demonstrators. Suddenly, the locals imagined themselves lumped together with such other recent travel trouble spots as East Timor and Sierra Leone.

"Humbug," says Monique Pargatzi, as she unfurls the sun blinds at the Lis Mode high-fashion boutique, just down the promenade from the convention center that will host the forum. "We're supposed to be a war zone now, are we? This is ridiculous."

Still, the Lis of Lis Mode, Elisabeth Schmid-Berri, is locking up and replacing the blinds with wooden planks lest any demonstrator throw a smoke bomb through her show window. "I've worked six years to build up this business," she says, "and I'll lose it all if my inventory of clothes is ruined by smoke."

And to think that the air of Davos is known for its calming and recuperative powers. Long before the forum first came to town three decades ago to peacefully contemplate the state of the world, German novelist Thomas Mann immortalized the place and its cluster of lung-soothing sanitariums in "The Magic Mountain," one of his classic works. Now, the only magic on this mountain is the quick-change act from sleepy ski resort to red-alert center.


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22. Januar 2001
News aus Davos
> Davos > FAU-Rundmail
praktische infos aus zürich:

die tel-nummer 079 568 75 20 ist nicht für übernachtungen in zürich! wer was in zürich braucht, soll sich bei : fantasia39@hotmail.com melden. (es ist aber nicht so, dass wir tonnenweise platz hätten...)

ab dienstag 23. gibt es in der rote fabrik in zürich eine infoanlaufstelle. (anreiseplan: siehe www.reitschule.ch)

ab sofort gibt es auch ein info-telefon: 076 514 14 78

Es hat noch plätze frei bitte anmelden!!!!! 079 301 64 81
BUS: ab Thun 08.00 Uhr Kulturbeiz Alpenrösli (32.-sfr) retour ca 24.00 Uhr
BUS: ab Bern Reithalle Bern (30.-sfr)

radio lora, das alternative lokalradio zürich wird auch dieses jahr wieder mit einem spezialprogramm auf 97.5 mhz und www.lora.ch auf sendung sein. am freitag, 26.1.01 werden zeitverzögert ausschnitte der veranstaltung "the other davo$" aus dem zürcher volkshaus ausgetrahlt (www.otherdavos.org) (das genau programm ist ab nächster woche ebenfalls auf www.lora.ch zu finden) sowie am samstag, 27.1.01 live schaltungen nach davos und informationen von unten. die telefonlinien von radio lora sind auch offen für dich! das heisst, wenn du z.B. an der grenze abgeblockt wirst, wenn cars zurückgeschickt werden, wenn leute in luftschutzräumen landen anstatt in der verschneiten bergwelt, anrufen! radio lora sichert die gegeninformation, darum gilt: alle haben eine stimme, berichte direkt aus davos, geschehnisse auf dem weg dahin, oder sonstige kritiken, überlegungen, anregungen, empfehlungen, die telefonlinien sind offen!

++ 41 1 241 59 59 (studio)
++ 41 1 241 59 62 (info)
22. Januar 2001
Die Sicherheit in Davos - Ein Gespräch mit einem Militärexperten
> Davos > SwissInfo
davos

In Davos wurde ein noch nie gesehenes Sicherheits-Dispositiv vorbereitet. Die Befürchtungen gehen von krawallbereiten WEF-Gegnern bis hin zu terroristischen Anschlägen. Die Polizei arbeitet deshalb kantonsübergreifend zusammen: Sie wird unterstützt von Armee, Grenzwache und Geheimdienst.

"Ein Attentat auf einen der WEF-Teilnehmer oder die Blockierung des ganzen Forums sind die schlimmsten Szenarien die ich mir vorstellen kann" sagte Albert A. Stahel, Militärexperte der ETH Zürich, gegenüber swissinfo.

Ein Terror-Attentat abzuwehren ist klassische Terrorismus-Bekämpfung. Eine Blockade von WEF-Gegnern zu verhindern erfordert jedoch Mittel für den sogenannten unfriedlichen Ordnungsdienst.

Auf beide Bedrohungslagen hat sich die Kantonspolizei Graubünden gut vorbereitet. Sie hat die Befehlsgewalt über alle Einsatzkräfte: "Wir haben im Rahmen der Lageberichte alle möglichen Vorkehrungen getroffen", erklärte Alois Hafner, Pressesprecher der Bündner Polizei, gegenüber swissinfo.

Polizeikräfte aus der ganzen Schweiz werden im Rahmen der Polizei-Konkordate in die Bündner Bergwelt beordert. Der Bundesrat hat zudem 300 Festungswächter in den Schnee geschickt. Ausserdem wurden 600 Angehörige der Territorialregimenter in Alarmbereitschaft versetzt. Hinzu kommen noch persönliche Sicherheitsbeamte von WEF-Teilnehmern.

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16. Januar 2001
Hundertausend Menschen ehrten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg
> Berlin > Süddeutsche Zeitung
Hundertausend Menschen ehrten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

Die Antifaschistische Aktion, eine autonome Gruppe, hat eindeutig die fescheste Corporate Identity. Mit ihrem Lautsprecherwagen veranstalten sie ein "Wunschkonzert für Rosa und Karl". Angeblich hat sich die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes den Song "Intergalactica" von den Beastie Boys gewünscht. Ein paar halbvermummte Teenager fangen das Wippen an. Es ist drei Grad unter Null.

Jedes Jahr im Januar trifft man sich im Berliner Stadtteil Lichtenberg. Die roten Fahnen wehen traurig im kalten Wind, es gilt Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu gedenken. Am 15. Januar 1919 waren die beiden Leitfiguren der Kommunistischen Bewegung von Freikorps-Soldaten erschlagen und erschossen worden. Seit den Zwanzigern pilgern die Kommunisten aus ganz Deutschland zum Friedhof Friedrichsfelde, der von Mies van der Rohe entworfenen Gedenkstätte der Sozialisten.

Auf der revolutionären Demonstration geht es zu wie auf einem großen Familientreffen, alle Generationen kommen hier zusammen. Man begrüßt sich schon in der U-Bahn, die einen haben graue Wollmützen auf und coole blaue Friedenstauben an ihre Parka gesteckt, die anderen tragen Pelze und Lederhüte. Sie lesen Zeitungen, die keiner kennt und reden über Parteien, die keiner wählt. Die ganze Demonstration ist ein lebendes Museum der deutschen Protestkultur, hier laufen vereinsamte Autonome, alte Betriebsgruppen der SED und die wenigen Mitglieder der DKP hintereinander her. Stolz zeigen sie ihre bunten Fahnen und die gemalten Transparente, eifrig versuchen sie die auf Flugblätter gebannten Manifeste an den Mann und die Frau zu bringen. So auch der Motorradclub Kuhle Wampe: Die Rocker haben Aufnäher auf ihre Lederkutten genäht, auf einem roten Stern zeichnen sich die geografischen Umrisse der alten BRD ab. Man ist sich nach langer Diskussion einig, dass man gegen die "Wiedereinvernahmung" der DDR sei. Ein paar Aufgeregte am anderen Ende des Gedenkszuges rempeln ein wenig. Um die 50 Festnahmen werden registriert. Einer will sich nicht von einer Polizistin kontrollieren lassen.

Jutta Ditfurth ist da und hält nach Bekannten Ausschau. Die Demonstrationsleitung meldet einen neuen Teilnehmerrekord, hunderttausend Menschen hätten ihre roten Nelken an der Gedenkstätte abgelegt. Helmut und Margot Lehmann freuen sich, seit 1953 haben sie keinen Gedenkmarsch verpasst: "Es ist so schön, dass es wieder mehr werden." Die Jugendfreunde von der FDJ sind gut zu sehen, sie stehen auf einem alten russischen Kübelwagen und singen mit erhobener Faust fröhlich die alten Hits. Vorwärts, und nicht vergessen, worin unsere Zukunft besteht: http://www.fdj.de.
16. Januar 2001
Chur: Kantonspolizei setzt auf Dialog
> Davos > FAU-Rundmail
Die Kantonspolizei Graubünden und der zuständige Departementsvorsteher verschliessen sich dem Dialog mit den Gegnern des World Economic Forums (WEF) in Davos nicht. Sie sind sich bewusst, dass der Grossteil der Demonstranten keine
Eskalation in Davos will und Gewalt sowie Rechtsverletzungen ablehnt. Es gilt jedoch, Gäste und
Bevölkerung während der Dauer des WEF vor gewaltbereiten Aktivisten zu schützen.
Der zuständige Departementsvorsteher und die Kantonspolizei Graubünden sind in den letzten Tagen wiederholt von WEF-Gegnern bezichtigt worden, sie würden friedliebende Demonstranten kriminalisieren. Diese Anschuldigung weist die Kantonspolizei entschieden zurück. In verschiedenen Publikationen wurde immer wieder auf den Unterschied zwischen friedliebenden Demonstranten und ihren berechtigten Anliegen sowie gewaltbereiten Aktivisten hingewiesen.
Die Kantonspolizei Graubünden nimmt zur Kenntnis, dass es WEF-Kritiker gibt, die jeglichen Dialog mit den WEF-Organisatoren ablehnen. Sie schliesst daraus aber nicht, dass auch ein Dialog mit den Bündner Behörden abgelehnt wird. Die Kantonspolizei, welche für die Sicherheit der Bewohner und Gäste in Davos verantwortlich ist, wäre jedenfalls nach wie vor bereit, im Gespräch nach Möglichkeiten zu suchen, Eskalationen im Zusammenhang mit dem WEF zu verhindern.
Die Kantonspolizei Graubünden hat das Demonstrationsverbot der politischen Behörden zu respektieren. Sie hat dafür zu sorgen, dass dieser Entscheid auch durchgesetzt wird. Andererseits ist die Kantonspolizei Graubünden jedoch überzeugt, dass ein Dialog mit den WEF-Gegnern zur Schadensbegrenzung beitragen könnte.

16. Januar 2001
"Maulkorbverfahren" gegen Isaac Velazsco vor dem Abschluss aktionen
> Peru/Deutschland > FAU-Rundmail
Kaum war abzusehen, dass Staatspraesident Fujimori die sich zuspitzende Regierungskrise in Peru nicht ueberstehen wuerde, kam hierzulande Bewegung in den Fall Isaac Velazco: Die Bundesanwaltschaft bequemte sich am 28. September, das Ermittlungsverfahren gegen ihn und seine Frau Ada Beraún endlich einzustellen.
Mehr als zweieinhalb Jahre lang hatte die Karlsruher Behoerde am angeblichen Verdacht festgehalten, der Europasprecher der peruanischen Túpac-Amaru-Bewegung MRTA und die Menschenrechtsaktivistin haetten mit ihrer OEffentlichkeitsarbeit schwere Straftaten begangen. So warfen die Bundesanwaelte den beiden "Geiselnahme und bewaffneten Menschenraub" vor, weil sie zur Jahreswende 1996/97 die MRTA-Besetzung der japanischen Botschafterresidenz in Lima "propagandistisch unterstuetzt" haetten. Zudem sei zu pruefen, ob sie nicht in telefonischem Kontakt zu den BesetzerInnen gestanden und die Aktion zuvor mitgeplant haetten. In ihrer Einstellungsverfuegung, die die Bundesanwaltschaft uebrigens weder den Beschuldigten noch ihrem Anwalt zuschickte und von der diese erst ueber das Hamburger Verwaltungsgericht erfuhren, erklaert die Karlsruher Behoerde lapidar, ihr "Verdacht" habe sich nicht "erhaerten lassen".
Die in einer neunstuendigen Hausdurchsuchung im Mai 98 beschlagnahmten Arbeitsmaterialien, darunter alle handschriftlichen Notizen, will das BKA am 17. Januar zurueckgeben. Alle anwaltlichen Aufforderungen der vergangenen zweieinhalb Jahre, die Sachen wieder rauszuruecken, waren ebenso unbeantwortet geblieben wie die Antraege auf Akteneinsicht.

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09. Januar 2001
Start Boanova
> Luzern > Vorstand IKU BOA
Nach den Konzeptdiskussionen und -abstimmungen sowie dem Verhandlungsmarathon mit den städtischen Behörden im vergangenen Jahr, startet nun die Boanova definitiv.
Trotz enormer Zeitknappheit konnte ein Grossteil der ausgeschriebenen Stellen auf den 1. Januar 2001 besetzt werden. Nach der ersten Vollversammlung des Kulturkollektivs Boanova vom 2. Januar sind wir überzeugt, dass es gelungen ist, ein Team aus motivierten und innovativen Leuten zusammenzustellen, das der Boanova zu einer prosperierenden Zukunft verhelfen soll.

Mit den städtischen Behörden wurde bekanntlich ein Vertrag bis Ende 2002 abgeschlossen. Sowohl der Vorstand als auch das Betriebskollektiv treten jedoch mit dem Anspruch an, das Kulturzentrum Boa über diesen Termin hinaus weiter zu führen. Den Beweis, dass dieser Anspruch gerechtfertigt ist, müssen wir in der nächsten Zeit antreten. Wir müssen uns aber auch bewusst sein, dass dieser Neustart keine einfache Sache ist und sowohl Zeit als auch Geduld erfordert.


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www.boaluzern.ch

08. Januar 2001
Vergiftet auf lange Zeit
Belgrad macht NATO für radioaktive Verseuchung des Landes verantwortlich
> Jugoslawien > Junge Welt
Der Krebstod von mindestens sechs italienischen Soldaten ist der italienischen Nachrichtenagentur AGI zufolge auf die Verwendung uranhaltiger US-Munition auf dem Balkan zurückzuführen. Die Agentur berief sich in ihrer Meldung am Samstag auf den Bericht einer von der Regierung eingesetzten militärischen Expertenkommission. Es wäre das erste Mal, daß in einem offiziellen Bericht ein solcher Zusammenhang hergestellt wird. Die Agentur zitierte den Vorsitzenden des Nationalen Überwachungsinstituts zum Schutz des Militärpersonals, Feldwebel Domenico Leggiero, mit den Worten, der Tod der Soldaten könne »offiziell mit den Umständen auf dem Balkan in Verbindung gebracht werden«. Der Tod zweier weiterer Soldaten werde noch untersucht. Die betroffenen Soldaten waren alle auf dem Balkan stationiert. Das italienische Verteidigungsministerium kündigte einen Strahlentest für alle Soldaten an, die auf dem Balkan stationiert waren.

Dortselbst haben inzwischen serbische Wissenschaftler die Hinterlassenschaften der NATO unter die Lupe genommen: Kaum hat Snezana Pavlovic das Glas mit dem unscheinbaren Erdklumpen geöffnet, schlägt der Geigerzähler in ihrer Hand aus - immer stärker. Hochgefährlich ist diese Erde, ist sich die jugoslawischeWissenschaftlerin sicher. Verseucht von der NATO. Die Bodenprobe hatPavlovic unmittelbar an der Verwaltungsgrenze zum Kosovo entnommen.Das strahlende Vermächtnis der NATO ist hochgiftig für die Menschender Region - egal, was das US- Verteidigungsministerium sagt, soPavlovic. Die NATO hat auf dem Balkan Munition mit abgereichertem Uran (DU) eingesetzt: Nach Angaben von Washington wurden 1999 in Jugoslawien 31 000 und in Bosnien in den Jahren 1994 und 1995 rund 18 800 der hochtoxischen und radioaktiven Geschosse abgefeuert

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03. Januar 2001
Davos und alles Ängste
> Davos > Kantonspolizei Graubünden
Das bevorstehende World Economic Forum (WEF) in Davos stellt für die Kantonspolizei Graubünden die grösste Herausforderung seit ihrer Gründung im Jahre 1804 dar. Zusammen mit ihren Partnern setzen die kantonalen Sicherheitskräfte alles daran, einen reibungslosen Ablauf des WEF zu gewährleisten. Gegen Störer des WEF soll konsequent und unverzüglich vorgegangen werden, auf eine hermetische Abriegelung der Landschaft Davos wird jedoch im gegenwärtigen Zeitpunkt verzichtet.

Das World Economic Forum ist einer der wichtigsten Wirtschaftspolitischen Veranstaltungen der Welt. Der Bundesrat und die Regierung des Kantons Graubünden sind sich der einmaligen Bedeutung für die internationalen Interessen der Schweiz bewusst. Die Regierung des Kantons Graubünden hat im vergangenen November Leitsätze verabschiedet, die davon ausgehen, dass das WEF auch weiterhin in Davos stattfinden soll (WEF aktuell, www.kapo.ch). Um jedoch den völkerrechtlichen Schutzverpflichtungen nachzukommen, sind umfangreiche Sicherheitsmassnahmen nötig. Der Bund hat dabei dem Kanton Graubünden personelle, materielle und finanzielle Unterstützung zugesichert.

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03. Januar 2001
Anschlag auf El-Al-Büro
> Zürich > SDA
Bei einem Anschlag auf das El-Al-Büro in Zürich entsteht Sachschaden

ZÜRICH - Auf das Büro der israelischen Fluggesellschaft El Al in Zürich ist in der Nacht ein Anschlag verübt worden. Die Eingangstür des Geschäftshauses an der Löwenstrasse sei offenbar durch einen kleineren Sprengsatz beschädigt worden, sagte ein Polizeisprecher.
Zu dem Anschlag bekannte sich in einem Fax an die Nachrichtenagentur sda eine Gruppierung, die ihr Schreiben mit den Worten «Für eine revolutionäre Perspektive» schloss. Die Gruppierung sprach ausserdem von einem Anschlag auf das türkische Konsulat. Einen solchen Vorfall konnte die Polizei dagegen nicht bestätigen.


03. Januar 2001
DHKC-Erklärung
> Türkei > DHKC
Der Staat hat bei seinem am 19. Dezember begonnenen Massakerangriff 32 unserer Gefangenen ermordet. Es führt seine Massaker immer noch fort. Die revolutionären Gefangenen leisteten Widerstand, indem sie sich für höchst demokratische Rechte, unter Beanspruchung des legitimsten Rechts der Welt ins Sterben legten. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit wurde unser Recht auf Widerstand angegriffen. Und es wurde das größte Massaker der letzten 20 Jahre verübt. Dieser aus Gewalt geformter, nichts anderes als Gewalt kennende Staat, der zu nichts anderem fähig ist, als nach den Befehlen des IMF zu handeln, richtet seine GEWALT gegen alle Schichten des Volkes.
Mit Repression, F-Typ- Nazi-KZ's, will er Gedanken, Organisierung, den Wunsch nach Recht und Freiheit, mit einem Wort alles aufheben. Um die Befehle des IMF ausführen zu können, duldet er keinerlei oppositionelle Gedanken. Das heute gegen die Gefangenen gerichtete Massaker findet deshalb statt. Dieser Angriff, dieses Massaker, ist nicht nur gegen die Gefangenen und Revolutionäre gerichtet, sondern gegen alle die sich Gedanken machen und DIE NICHT AUF DER SEITE DES FASCHISMUS STEHEN.
Man will die Revolutionäre, Intellektuellen, GewerkschafterInnen, und alle Kreise, die sich für ihre Rechte einsetzen und nachdenken, zum Schweigen bringen, sie einschüchtern und vernichten. Das ist der Zweck des Massakers.

DAS MASSAKER HAT DER STAAT ANGERICHTET!
Keine Demagogie und keine Lüge kann diese Wahrheit verhüllen. Das Recht auf Widerstand wurde mit einem Massaker beantwortet. Der Wunsch nach Recht und Freiheit und demokratische Forderungen wurden mit einem Massaker beantwortet. Mit diesem Massaker hat sich auf ganz nackte Weise herausgestellt, wer ein "Terrorist" ist. Die Geschichte dieses Staates ist gezeichnet durch Massaker und Terrorismus.

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02. Januar 2001
Der Staat hat "Leben gerettet"... Mit 20000 Bomben und mehr als 10000 Gendarmen und Polizisten... 32 Tote
> Türkei > Komitee gegen Isolationsfolter
RIZA POYRAZ, verlor heute sein Leben. Er wurde von den Soldaten in dem Gefängnis von Ümraniye erschossen

Riza Poyraz, ist einer der ersten Gefangenen, der bei dem Massaker vom 19. Dezember in Ümraniye durch die Schüsse der Soldaten schwerverletzt war. Riza Poyraz wurde bei dem "Rückkehr ins Leben" genannten Massaker bewusst und offen niedergeschossen.

Hier der Beweis!

Die Erzählung des Bruders von dem Todesfastenden Ahmet Üzdemir, der bei demAngriff in Ümraniye mit Riza Poyraz zusammen war und den Angriff seinen Bruder, während des Besuches am 28.12.2000 in dem F-Typ Gefängnis Kandira berichtet hat:

"Die Soldaten an der Barrikade haben zuerst mit Schrotmunition geschossen. Hierbei sind Bülent Özdemir und Riza Poyraz zu Boden gefallen. Sie sind jedoch wieder aufgestanden. Die Soldaten haben hiernach mit Kalaschnikows Feuer eröffnet. Bülent bekam drei Schüsse davon ab, Riza wurde ebenfalls verletzt. Die Soldaten haben hiernach mit Gas-, Pfeffer- und ähnlichen Bomben weiter attackiert."

Nach dem Massaker wurde Riza Poyraz zu dem Haydarpasa Numune Krankenhaus transportiert. Die Ärzte gaben an, dass seine innere Organe durch die Schüsse zerschmettert waren und dass nach der chirurgischen Operation sein Magen, Dickdarm und der Milz entfernt worden sind.

Riza Poyraz wurde bewusst massakriert. Das ist die Operation "Rückkehr ins Leben".

JedeR GefangeneR, der nach dieser Operation stirbt, zeigt mit aller Klarheit nochmal die offene Massaker- und Folterabsicht des Angriffes.

DAS TODESFASTEN-WIDERSTAND DAUERT AN!

WIR MÖCHTEN UNSERE GEFALLENEN OHNE UNTER DRUCK GESETZT ZU WERDEN, NACH UNSEREN TRADITIONEN BEGRABEN.

DIE ZWANGSEINGRIFFE GEGEN DIE TODESFASTENDEN MÜSSEN GESTOPPT WERDEN UND DER FOLTER MUSS EIN ENDE GESETZT WERDEN.

DIE WUNDEN DER VERLETZTEN GEFANGENEN MÜSSEN BEHANDELT WERDEN

DIE BEDÜRFNISSE DER GEFANGENEN MÜSSEN GEDECKT WERDEN


FAMILIEN BEI TAYAD*

*DIREKTE INFORMATIONEN IN TÜRKISCHER SPRACHE KÖNNEN SIE VOM VEREIN DER ANGEHÖRIGEN DER POLITISCHEN GEFANGENEN "ÖZGÜR TAYAD" UNTER DEN TELEFONNUMMERN 0090-212-2930848 UND 0090-212-5323700 ERHALTEN.
AUSSERDEM GIBT ES DIE HANDYNUMMER VON RECHTANWALT BEHIC ASCI (RECHTSBÜRO DES VOLKES),DER POLITISCHE GEFANGENE UND IHRE ANGEHÖRIGEN VERTRITT. ES IST DIE TELNR.: 0090-532-2438569.

Mit freundlichen Grüssen
C. Ondreka
(Komitee gegen Isolationsfolter,IKM)