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Am 24. April 2004 wird der Gefangene mit der Nummer AM 8335 im Todestrakt des US-Hochsicherheitsgefängnisses von Waynesburg, Pennsylvania, seinen 50. Geburtstag begehen: Mumia Abu-Jamal


Wichtige Links zu Mumia

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Fax 031 / 302 78 74
E-Mail buerogegenfinsterezeiten@spectraweb.ch
 
Adresse von Mumia
Mumia Abu-Jamal
# AM-8335
SCI Greene
175 Progress Drive
Waynesburg, PA 15370
USA
(Post wird vom Knast zuvor gelesen!)
Email mumia@aol.com (werden an Mumia weitergesandt)
 
 
Weitere Adressen in Deutschland, Österreich, USA, etc. unter
http://www.mumia.de/act/group.html
 

Stimmen für Mumia


Stoppt die Hinrichtung von Mumia Abu-Jamal.
Für einen neuen fairen Prozess!
Die Beweise müssen zugelassen werden!

Unterschriftensammlung on- und offline für Mumia:
http://www.stimmenfuermumia.de/


Geschriebenes von Mumia:

Die Illusion von Pressefreiheit [junge Welt; 17.07.04]
Märchen vom Terrorismus [junge Welt; 05.06.04]
Wenn die Angst regiert... [junge Welt, 03.05.04]
»Gefährliche« Völker [junge Welt; 21.02.04]
Der Verrat an Aristide [junge Welt; 03.04.04]


Meldungen über Mumia:

diverse


Symbol des Widerstandes
Quelle: junge Welt; 15.04.04 [http://www.jungewelt.de/2004/04-15/005.php]

Gegen die Todesstrafe, für Freiheit: Weltweite Aktivitäten zum Geburtstag von Mumia Abu-Jamal

Am 24. April wird der Gefangene mit der Nummer AM 8335 im Todestrakt des US-Hochsicherheitsgefängnisses von Waynesburg, Pennsylvania, seinen 50. Geburtstag begehen: Mumia Abu-Jamal, der Bürgerrechtler, Buchautor und Journalist, im vierten Jahr Kolumnist der jungen Welt, hat die vergangenen 22 Jahre unschuldig im Todestrakt verbracht.

In vielen Ländern wird dieser Geburtstag ein Tag des Protestes sein. Zentrum der Aktivitäten der weltweiten Kampagne, die Abu-Jamals Freilassung und die Abschaffung der Todesstrafe fordert, wird am 24. April seine Heimatstadt Philadelphia sein. Der Aufruf zu einer zentralen Demonstration wird unterstützt von einem landesweiten Bündnis aus afroamerikanischen Organisationen, von Antikriegs- und Gewerkschaftsbewegung sowie Menschenrechtsgruppen und Kulturschaffenden. Die New Yorker Frauenbewegung organisiert Mitfahrgelegenheiten zur Demonstration nach Philadelphia, um von dort einen Tag später zum »Women?s Lives March« nach Washington DC weiterzufahren. Ein weiteres starkes Kontingent bildet »Latin@s For Mumia«, ein Bündnis der puertoricanischen Unabhängigkeitsbewegung in den USA und in Puerto Rico. Auch Delegationen aus Europa werden teilnehmen, die stärkste aus Frankreich, wo Abu-Jamal im Oktober Ehrenbürger von Paris wurde. Am 23. April wird das Philadelphia Freedom Theatre das gefeierte Theaterstück »A Love Song for Mumia« aufführen, derweil am Geburtstag selbst die Buchpremiere des neuesten Titels von Abu-Jamal ansteht. »We Want Freedom – A Life in The Party: The Story of the Black Panthers« soll im Herbst auch in deutscher Sprache vorliegen. Zu weiteren Demonstrationen und Veranstaltungen wird auch in anderen Städten der USA und Kanadas aufgerufen. In San Francisco findet vor der regionalen Demo das »First Internationalist Mumia Abu-Jamal Film Festival« statt.

Im deutschsprachigen Raum hat das Bundestreffen der Unterstützungskomitees bereits vor Wochen via Internet zum Entwurf von Glückwunschkarten zu Abu-Jamals 50. aufgerufen. Acht Entwürfe kamen in die Schlußrunde der auf www.freedom-now.de durchgeführten Abstimmung, liegen nun gedruckt als Kartenset vor und können ab sofort dort bestellt werden. Der Erlös kommt in vollem Umfang der Verteidigung zugute, und das Bundestreffen hofft, daß Abu-Jamal durch den Versand der Karten säckeweise Post an seinem Geburtstag bekommt.

LeiLani Dowell von der US-Kampagne gegenüber jW: »Mumia Abu-Jamal ist zu einem weltweiten Symbol des Widerstandes gegen die Todesstrafe, gegen Krieg, Rassismus und alle Formen der Unterdrückung geworden, weil er sich vom Todestrakt aus freimütig einmischt. Seine Verteidiger sind gerade mit einem neuen Antrag vor das Oberste US-Bundesgericht gezogen. Sie zerpflücken darin das auf Rassismus basierende erste Verfahren und fordern erneut einen fairen Prozeß.«

* Weitere Informationen, Termine, Aktionen: (D) www.mumia.de, www.freedom-now.de; (USA) www.mumia.org, www.millions4mumia.org


 


Aktuelle Entwicklung im Fall Mumia

(14.12./mde) Kurz nach der feierlichen Übergabe der Ehrenbürgerschaft an Mumia, lehnte am 8. Oktober der Staatsgerichtshof in Philadelphia die letzten Eingabe von Mumias Verteidigung ab [en].
Dieses Gericht hatte über die Zeugenaussage von Arnold Beverly, und die von Terri Maurer-Carter und weiteren Punkten ablehnend entscheiden, und blockierte damit das Berufungsverfahren der Entscheidung von Yohn im Dezember 2001.
Aktuell bedeutet diese Bewegung im Verfahren, dass Mumias juristischen Möglichkeiten wieder kleiner geworden sind, auf der anderen Seite ist das Berufungsverfahren nun nicht mehr durch das Verfahren in Pennsylvania blockiert. Nun gilt es, Yohns Entscheidung anzufechten und das möglichst viele Punkte zur Berufung zugelassen werden, da dieser nur einen der 29 Punkte zugelassen hatte.
Robert R. Bryan, ein erprobter Todesstrafenanwalt aus den USA, hat sich bereit erklärt, in dieser wichtigen Phase Mumia vor Gericht zu vertreten. In mehreren Interviews spricht er detailliert über diese Situation. Der jetzigen Lage wurde auch auf der Veranstaltung nach der Verleihung der Ehrenbürgerschaft vorgegriffen, welche als Transkript in deutsch vorliegt.
Aufgrund dieser Änderungen und der sich zuspitzenden Lage braucht Mumia jetzt unsere Hilfe. Alle Aktivisten die sich für die Lage der politischen Gefangenen einsetzen und sich angesprochen fühlen sind aufgefordert, die Kampagne mitzugestalten und über die aktuelle Situation zu informieren, diese Kampagne mit Ihrer zu verbinden und zu Aktionen aufzurufen, wie es z.B. auch das »Bundestreffen der Mumia Abu-Jamal Unterstützungskomitees« am 10. Dezember in einem Aufruf fordert. Allein Mumias Verteidigung kann in diesem höchst politischen Verfahren ohne internationale Solidarität nicht Mumias Freiheit durchsetzen.
Einen ersten Anfang machten Demonstrationen um den 9. Dezember, der Tag an dem Mumia 1981 verhaftet wurde: In Wien fand eine Demonstration mit Petitionsübergabe an die US-amerikanische Vertretung am 10. Dezember statt. In Paris nahmen über 1.000 Personen an einer Demonstration am 13. Dezember teil. Unterstützt wurde diese durch Delegationen und Grußbotschaften aus Deutschland, den Niederlanden und Italien [ Photos].
Weitere Aktionen sind in Planung, so auf der Rosa Luxemburg Konferenz in Berlin und der Demo am nächsten Tag. Am 24. April, Mumias 50. Geburtstag, wird es eine Party zugunsten von Mumia geben. Beteiligt euch an diesen Aktionen und macht selber welche. Informiert über die aktuelle Situation und macht darauf aufmerksam, dass Mumia immer noch in der Todeszelle ist und schon garnicht in Freiheit, wie es immer noch einige denken.


Wer ist Mumia Abu-Jamal ?


Einführung zur Person Mumia, politischer Lebenslauf etc...
Mumia Abu-Jamal ist ein schwarzer politischer Gefangener im US-Todestrakt. Sein politisches und gesellschaftliches Wirken sollte verhindert werden, indem ihm ein Mord angehängt wurde und er 1982 zum Tode verurteilt wurde. Doch der Widerstand gegen genau dieses manipulierte Verfahren und für seine Freiheit hat mittlerweile für soviel Aufsehen gesorgt, daß "the Voice of the Voiceless"1 über die Stadt und Landesgrenzen hinaus bekannt wurde, der internationale Protest von Aussen in die Mauern eindringt und die Isolation seiner Zelle immer wieder ein Stück weit durchbricht.
Während Richter, Staatsanwaltschaft, Polizei und Bürgermeister Rizzo (schon vor der Verurteilung) überzeugt ein Schuldig vertraten, scheinen nur Menschenrechtsaktivisten und kritische Juristen weltweit die Frage von einem fairen Prozess, von Schuld oder Unschuld, überhaupt aufzuwerfen. Trotzdem seine Anwälte mittlerweile alle 'Beweise' für seine Schuld widerlegt haben, war es bis heute nicht möglich seine Freilassung zu erreichen.
Doch wer ist der Mann mit den Dreadlocks, der ruhigen und warmen Stimme, die durch nichts aus der Ruhe zu bringen scheint, wirklich? Was hat ihm den Hass des Establishments, der herrschenden Klasse und der Pigs wie es in den 60er bezeichnet wurde, eingebracht? Und was erfüllt Mumia Abu-Jamal auch nach 20 Jahren hinter Gittern heute immer noch mit Leben?
Auf dieser Seite sind einige Texte zu seiner Person gelistet, die Aufschluß über sein Leben geben. Mit dem Erscheinen von  Mumias Biographie "On A Move" von Terry Bisson ist erstmals ein Buch veröffentlicht worden, das sich Mumias Leben widmet - mit einem Umfang an Fakten und Hintergründen, der in keinem dier gelisteten Texte zu finden ist. Deswegen empfiehlt die Redaktion auch für mehr Informationen diesen Titel.
 
++++ MUMIA ABU-JAMAL: ERNSTE GESUNDHEITLICHE SCHWIERIGKEITEN! ++++

Erste Reaktion der Gefängnisleitung auf öffentlichen Druck

27.08.03 Am vergangenen Freitag wurde Mumia Abu-Jamal von einem Anstaltsarzt untersucht, nachdem das Hochsicherheitsgefängnis SCI Greene mit Anrufen eingedeckt worden war. Seine gesundheitliche Situation ist nach 22 Jahren im Todestrakt katastrophal. Die Zeit zur Durchsetzung seiner Freilassung ist überreif .
Nach öffentlichen Protesten und besorgten Anrufen in der Zentrale des Hochsicherheitsgefängnisses SCI Greene in Waynesburg, Pennsylvania, ist Mumia Abu -Jamal am vergangenen Freitag von einem Anstaltsarzt untersucht worden. Dieser kam zu dem Ergebnis, die schmerzhaften Schwellungen und farblichen Hautveränderungen beider Füße seien auf zu straff angelegte Fußfesseln zurückzuführen. Jamal werden Fußfesseln und Handschellen angelegt, sobald er seine Zelle verläßt. Weder Mumia Abu-Jamal noch das Komitee der Angehörigen und Freunde in Philadelphia sind aber mit der medizinischen Untersuchung zufrieden, da sie nur rein äußerlich durchgeführt wurde und die generell krankmachenden Haftbedingungen wie drastische Bewegungseinschränkung, soziale Isolation, emotionaler Streß und minderwertige Ernährung nich t mit einbezogen wurden. Erfahrungsgemäß werden auf diese Weise viel zu oft scheinbar harmlose Erkrankungen nicht rechtzeitig als gefährliche Zusammenballung von diversen Faktoren erkannt und entsprechende medizinische oder therapeutische Maßnahmen ergriffen.
Weiterhin sind Anrufe bei der Gefängnisleitung sinnvoll und notwendig! Das Komitee hat nun durch seine Sprecherin Pam Africa dazu aufgefordert, weiterhin unter der Telefonnummer 001-724-852-2902 von der Gefängnisleitung die Zulassung eines unabhängigen Mediziners zu fordern.
Tagsüber: Superintendent Folino
Nachts: Captain Hall
Nach der ersten Welle von Anrufen reagierte man dort gereizt bis reserviert und ließ durch die Pressesprecherin Sharon D'Eletto verbreiten, man habe erst durch die vielen Anrufe erfahren, daß Jamal gesundheitliche Beschwerden habe. D'Eletto sagte, externe Ärzte könnten nur zugelassen werden, wenn der Gefangene über gravierende gesundheitliche Beschwerden klage und das umfangreiche Antragsverfahren absolviert habe. »Mr. Jamal hat einen solchen schriftlichen Antrag nicht gestellt«, so die Pressesprecherin knapp.
Pam Africa hingegen betonte, Jamal, der sich in natürlichen Heilverfahren auskenne, habe seit einiger Zeit versucht, wenigstens Knoblauch zur Linderung seiner Beschwerden zu erhalten. Knoblauch habe bekanntlich eine große Heilkraft, wirke entzündungshemmend und sorge für einen besseren Blutfluß. Da die Anstaltsleitung dies bisher verweigerte, wird das Gefängnis derzeit mit Postsendungen der Unterstützerbewegung eingedeckt, die Knoblauchzehen und Grünen Tee enthalten.
Die Anstaltsleitung
ergreift deshalb nun keine medizinischen, sondern Maßnahmen anderer Art. Sharon D'Eletto: »Sendungen mit Knoblauch, die Namen und Adresse enthalten, schicken wir postwendend an den Absender zurück.« Pam Africa empfahl denjenigen, die sich telefonisch an die Knastleitung wenden, dabei die Forderung nach Untersuchung durch unabhängige Mediziner in den Mittelpunkt zu stellen, aber auch zu fragen, wieso es für die Leitung des SCI Greene nicht denkbar ist, so etwas Banales wie die Versorgung mit Knoblauch oder anderen Naturheilmitteln zu genehmigen.
Wer ebenfalls durch die Übersendung von Knoblauchzehen oder Grünem Tee seiner Besorgnis über die medizinische Versorgung von Mumia Abu-Jamal dokumentieren möchte, sende sein »Erste-Hilfe-Päckchen« an folgende Adresse (und er/sie beherzige dabei die oben erwähnte letzte Äußerung von Pressesprecherin D'Eletto!):
Mumia Abu-Jamal
c/o Superintendent Folino
SCI Greene
169 Progress Drive
USA-Waynesburg, PA 15370
Weitere Infos: www.freedom-now.de
 
 
+++++MUMIA: EHRENBÜRGER VON PARIS +++++

Mumia Abu-Jamal ist Ehrenbürger von Paris

06.10.03 (von atlantik) Pressemitteilung des Bremer Atlantik Verlages, der die Bücher von und über Mumia Abu-Jamal veröffentlicht.
Angela Davis: »Ehrung hebt Kampf gegen die Todesstrafe auf neues Niveau«
In einem bewegenden Festakt hat die französische Hauptstadt Paris am Samstag, dem 4. Oktober 2003, unseren Autor, den unschuldig zum Tode verurteilten US-Bürgerrechtler Mumia Abu Jamal, zu ihrem Ehrenbürger erklärt.
Bevor Bürgermeister Bertrand Delanoë Medaille und Urkunde an Angela Davis übergab, betonte er, die Anwesenden seien in diesem Moment mit ihren von Zuneigung getragenen Gedanken bei Mumia Abu-Jamal. »Für ihn haben wir uns heute hier versammelt und für die Werte, die die Stadt Paris vertritt. Unsere Stadt hat sich für das Leben entschieden, als sie mit dazu beitrug, die Todesstrafe in Frankreich abzuschaffen«, sagte Delanoë, Mitglied der Parti Socialiste, bevor er unter dem Beifall der zahlreichen Gäste aus dem In- und Ausland im überfüllten Festsaal des Rathauses die Todesstrafe als »Barbarei« geißelte. Er wies darauf hin, 1971 sei Pablo Picasso der zuletzt auf diese Weise Geehrte gewesen. »Wir nehmen dies e gute Tradition wieder auf und ehren Mumia. Seine Geschichte veranlaßt uns dazu, uns in diesem Akt der Solidarität auf unsere grundlegenden Werte zu besinnen: Leben, Recht und Würde des Menschen. An der Seite von Mumia werden wir für die Abschaffung der Todesstrafe eintreten!«
Die weltbekannte amerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis erklärte, Mumia sei sich der Ehre bewußt, Bürger der Stadt zu werden, die Synonym sei für die Französische Revolution und den Widerstand gegen die faschistische deutsche Okkupation. »Und ich selbst werde an die mutigen Einwohner von Paris erinnert, die vor dreißig Jahren zu der siegreichen Bewegung gehörten, die mich aus dem Gefängnis befreit hat.« Der langanhaltende Beifall zeigte, daß für die Anwesenden dieser Sieg über die rassistische Justiz der USA unvergessen ist. »Mumia hat uns durch seine Worte gezeigt, daß es für uns nach dem 11. September 2001 nicht um Nationalismus, Fremdenhaß und Gewalt gehen darf, sondern um einen Geist des Friedens und internationaler Solidarität.« Die Ehrung beziehe deshalb auch ausdrücklich seine Arbeit als Journalist und Autor mit ein, der sich aus dem Todestrakt in den Lauf der Welt einschalte. »Sie haben mit Ihrer Entscheidu ng den Kampf gegen die Todesstrafe auf ein neues Niveau gehoben!«
Danach wurde die Stimme Mumia Abu-Jamals mit seiner Dankesbotschaft eingespielt, die wir im Anschluß an diese Pressemitteilung dokumentieren.
In Deutschland ist Mumia Abu-Jamal Ehrenmitglied der IG Medien/Fachgruppe Journalismus Berlin-Brandenburg und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA). Im Mai 2001 erhielt er den Lübecker »Erich-Mühsam-Preis«.
Der Verlag freut sich über die neue Ehrung gemeinsam mit dem »Bundestreffen« der Komitees zur Abschaffung der Todesstrafe und den vielen Menschen, die sich auch in Deutschland in den vergangenen 14 Jahren für die Freilassung Mumia Abu-Jamals eingesetzt haben und nicht nachlassen in dem Bemühen, seine Freiheit zu erlangen.
Atlantik Verlag Elsflether Str. 29 * 28219 Bremen
Tel.: 0421-382535 * Fax 0421-382577 *
eMail: info@atlantik-verlag.de *www.atlantik-verlag.de
 
 
Protest-E-Mails an Michael Moore!
23.10.03 (von ivk)  Die Empörung über »Stupid White Moore«, weil er Mumia Abu-Jamal in seinem neuen Buch für schuldig erklärt, muß nicht ungehört verpuffen. Er hat eine persönliche E-Mail-Adresse
Auf der Website von Michael Moores Firma www.michaelmoore.com wird ausdrücklich erwähnt, daß man Michael Moore persönliche E-Mails schreiben kann. Dort heißt es:
Contacting Michael
If you have something you want to tell Michael directly, contact him at:
mike@michaelmoore.com. Michael gets thousands of emails and does
his best to personally answer as many of them as possible. Occasionally
his email box "overflows" and you may get an error when trying to contact
him. Please be patient and try sending your message to Michael again at
a later date.
Aus dem Kreis der Bremer junge-Welt-Gruppe kam der Vorschlag, Moore mit Protestschreiben einzudecken und ihn aufzufordern, die Gründe für sein Handeln zu nennen und seine internationale Medienmacht dazu zu nutzen, ein neues Verfahren für Mumia durchzusetzen, statt die Rassisten dabei zu unterstützen, ihn umzubringen:
An E-Mail: mike@michaelmoore.com (Folgenden Text kopieren und in E-Mail übertragen)
MICHAEL MOORE: WHY DON'T YOU USE YOUR WORLDWIDE MEDIA POWER TO HELP GET MUMIA ABU-JAMAL A NEW TRIAL INSTEAD OF BACKING THE RACISTS, WHO WANT TO KILL HIM?
Mumia Abu-Jamal s aid in his sworn statement:
"I did not shoot Police Officer Daniel Faulkner. I had
nothing to do with the killing of Officer Faulkner.
I am innocent."
We therefore demand that you, Michael Moore, publicly substantiate and factually back-up your conclusion of the "probable" guilt of Mumia Abu-Jamal in your latest book, "Dude, Where's My Country?" We are very much aware that you will be heavily promoting this book nationally and internationally, a book which calls into question the innocence of Mumia Abu-Jamal right in the midst of extremely intensified court pressures, and so it is critical that this issue be dealt with in a public forum as urgently as possible.
(Unterschrift)
Bitte Kopien der E-Mails weiterleiten an: info@freedom-now.de


Mumia Abu-Jamal: Dank für Solidarität
Artikel aus der Jungen Welt vom 10.12.03

Botschaft aus dem Gefängnis zum »Internationalen Tag der Menschenrechte« am heutigen Mittwoch

Zum »Internationalen Tag der Menschenrechte« am heutigen Mittwoch erreichte junge Welt eine Botschaft von Mumia Abu-Jamal. Der immer noch im Todestrakt von Waynesburg/Pennsylvania einsitzende politische Gefangene dankt darin der europaweiten Solidaritätsbewegung für die Unterstützung seines Kampfes für Freiheit und gegen die Todesstrafe: »Ich schätze euch wegen eurer Hilfe bei den Mühen, mich durchzubeißen auf diesem anstrengenden und schweren Weg zur Freiheit.«

Der Autor und ehemalige Black-Panther-Aktivist befand sich am Dienstag seit genau 22 Jahren hinter Gittern: Am 9. Dezember 1981 verhaftet, wurde er im Juli 1982 wegen angeblichen Polizistenmordes in Philadelphia zum Todes verurteilt. Eine breite weltweite Solidaritätsbewegung verhinderte seitdem und »über all die langen und harten Jahre hinweg« die Urteilsvollstreckung. Mumia Abu-Jamal erinnerte in seinem Schreiben ausdrücklich an die im April dieses Jahres im Alter von 53 Jahren verstorbene Safiya Bukhari. Die Menschenrechtsaktivistin, Black Panther seit 1969 und selbst wegen Mitgliedschaft in der Black Liberation Army neun Jahre im Gefängnis, gehörte zu den Begründerinnen der Solidaritätsbewegung für politische Gefangene. Jamal: »Laßt uns im Gedenken an unsere geliebte Schwester Safiya Bukhari die bittere Lektion begreifen, wie vergänglich das Leben ist und uns gegenseitig Wertschätzung entgegenbringen.« Jeder einzelne »von euch ist unersetzbar und wichtig – deshalb achtet einander«.

Als einer von Tausenden politischen Gefangenen betonte Mumia Abu-Jamal die Notwendigkeit, Menschenrechtskampagnen fortzuführen. Es ständen »Ereignisse von großer Tragweite« bevor.Es sei möglich, zu siegen, »wenn wir zusammenhalten, wenn wir uns zusammenschließen, wenn wir kämpfen«.

Am 10. Dezember 1948 war von der UNO-Vollversammlung die »Allgemeine Erklärung der Menschenrechte« verabschiedet worden. Das diesjährige Motto des internationalen Gedenktages lautet: »Wissen gegen Willkür«. junge Welt von heute liegt dementsprechend die Beilage »freiheit für mumia« bei, herausgegeben vom Bundestreffen der Mumia-Abu-Jamal-Unterstützungskomitees.
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Geschriebenes von Mumia:

Die Illusion von Pressefreiheit
[junge Welt; 17.07.04]

Unabhängige Medien gehören offensichtlich nicht zur erklärten US-Politik weltweiter »Demokratisierung«

Während die Bush-Regierung die inländischen Medien ausreichend gezähmt, vereinnahmt und eingeschüchtert hat, um den ungesetzlichen und ungerechten Krieg in Irak führen zu können, haben die Kräfte des Imperiums zwischenzeitlich in Übersee daran gearbeitet, auch die irakische Presse zu disziplinieren. Obwohl das Weiße Haus und das Pentagon mittels ihrer Propagandamaschine hinausposaunt haben, daß sie dem irakischen Volk »die Demokratie bringen« wollen, ist eine freie und unabhängige irakische Presse offensichtlich nicht Teil dieses Plans. Es sei nur an die militärischen und medialen Angriffe auf Muqtada Al Sadr und die Aufständischen von Falludscha erinnert. Diese Kämpfe begannen, als die US-Besatzer eine irakische Zeitung schlossen, weil diese über Greueltaten berichtet hatte, die von US-Soldaten an der irakischen Bevölkerung verübt wurden.

Monatelang haben die amerikanischen Oberherren in Irak und Washington ihre Waffen und ihre Kritik gegen den in Katar ansässigen arabischen Nachrichtensender Al Dschasira gerichtet. Dieser hat sich den Zorn der US-Regierung und der imperialistischen Medien zugezogen, weil er es gewagt hatte, über Opfer unter der irakischen Zivilbevölkerung zu berichten. Die Ausstrahlung von Nachrichten, in denen Al Dschasira über Opfer unter der Zivilbevölkerung, darunter den Tod von Frauen und Kindern, berichtet, hat die US-Administration nicht aufgebracht, weil die Berichte und das Filmmaterial ungenau oder gefälscht wären, sondern weil diese wütende Reaktionen in der irakischen Bevölkerung ausgelöst und den irakischen Widerstand gestärkt haben. Das war in den Augen der US-Regierung und der staatstragenden Medien »unprofessionelle« und »wenig hilfreiche« Berichterstattung.

Dann tauchten die Fotos aus Abu Ghraib auf, und plötzlich waren die Berichte über Folter der US-Besatzer an Irakis keine »Propaganda« mehr. Wären dieselben Fotos zuerst von Al Dschasira ausgestrahlt oder von einer anderen arabischen Nachrichtenagentur verbreitet worden, wären sie als reine Propaganda abgetan worden. Aber diese Fotos hatten US-Amerikaner geschossen, und einige von ihnen hatten sie sogar ihren Verwandten und Freunden nach Hause geschickt. Der eigentlich springende Punkt an diesem Vorgang ist, daß die Öffentlichkeit in den USA nur einen Bruchteil der Fotos zu sehen bekommen hat. Das Pentagon und die Senatoren, die sie einsehen konnten, haben ihre Veröffentlichung verhindert. Die amerikanische Bevölkerung, die so gern Hymnen auf ihre »freie Presse« singt, sollte nicht sehen, was ihre Söhne und Töchter in Irak getrieben haben.

Al Dschasira hat wahrhaft gräßliche Fotos gezeigt, auf denen zu sehen ist, wie eine irakische Frau in aller Öffentlichkeit von US-Soldaten zu Boden geworfen und vergewaltigt wird. Wer mir nicht glaubt und Internet-Zugang hat, sollte zur Al-Dschasira-Website gehen und sich die Fotos anschauen. Ich habe keinen Internet-Anschluß, aber ich sah einige dieser grobkörnigen Schwarzweißfotos, auf denen drei Soldaten in Tarnanzügen sich zuerst von hinten über eine verschleierte Frau hermachen, während sie ihr Gesicht in den Straßenstaub drücken, und dann sieht man dieselben drei Männer, die um dieselbe Frau herumstehen, während sie einen von ihnen oral befriedigen muß. Unfaßbar und entsetzlich.

Kein Wunder, daß der Widerstand und der bewaffnete Aufstand in Irak so ausgeprägt sind. Diese Fotos waren in dem im kalifornischen Oakland erscheinenden Magazin World Wind abgedruckt. Vor kurzem wurde die aktuelle Ausgabe von World Wind hier im Gefängnis konfisziert. Der Umschlag des Magazins enthalte »rassistisch aufhetzendes Material oder Material, von dem eine Gefahr für die Insassen, die Bediensteten oder für die Sicherheit ihrer Familien ausgehen könnte«, hieß es zur Begründung.

(Übersetzung: Jürgen Heiser)

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Märchen vom Terrorismus
[junge Welt; 05.06.04]

Das bürgerliche Medienregime stempelt Menschen arabischer Herkunft als potentielle Gewalttäter ab

Wenn heutzutage das Wort »Terrorist« ausgesprochen wird, dann ruft dies sofort Bilder in uns wach, die uns permanent eingeimpft werden. Bilder von finster dreinblickenden, bärtigen, Turban tragenden, fundamentalistischen Arabern. Hier zeigt sich, welche Macht die Medienkonzerne haben, unser Denken zu beeinflussen und einzuschränken. Auf diese Weise wird ein Unterschied gemacht zwischen dem individuellen und dem Staatsterrorismus. Wenn ein Staat seine Gewalt gegen Unschuldige entfesselt, dann nennt man das unvermeidbare »Kollateralschäden«. Wenn aber irgendeine Gruppe dasselbe tut, dann ist es nach Diktion der bürgerlichen Medien zumeist »bestialisch und barbarisch«. Die Medien stehen völlig auf der Seite der Nationalstaaten und des Kapitals, sie erklären die von Staaten ausgehende Gewalt zur Norm und machen sie dadurch praktisch unsichtbar. Das liegt daran, daß die Medien von den Reichen und Mächtigen kontrolliert werden, die ihren Einfluß nutzen, um ihre Klasseninteressen zu schützen.

Erst unlängst hat die US-Armee im besetzten Irak eine Luftrakete mitten in eine Hochzeitsgesellschaft gefeuert und dabei mindestens vierzig Menschen getötet. Am selben Tag eröffneten Panzer der israelischen Armee das Feuer auf eine Demonstration im palästinensischen Flüchtlingslager Rafah und ermordeten dabei mehr als zwanzig unbewaffnete Zivilisten, darunter Frauen und viele Kinder. Keine bürgerliche Medienagentur nennt diese Akte »terroristisch«. Aber unter der irakischen und palästinensischen Bevölkerung, die sich dem Mündungsfeuer dieser Panzer, Militärmaschinen und Kampfhubschrauber gegenübersieht, ist es das vorherrschende Gefühl, Opfer des staatlichen Terrors zu sein.

Unter dem herrschenden Medienregime werden Menschen arabischer Herkunft schon fast routinemäßig als potentielle »Terroristen« vorgeführt. Und selbst wenn sie massiver staatlicher Gewalt unterworfen werden, dann wird es so dargestellt, als seien sie mitschuldig an ihrer eigenen Unterdrückung. Und weil sie ja verdächtig sind, tragen sie natürlich auch selbst die Verantwortung für die Blutbäder, die unter ihnen angerichtet werden. Es ist Krieg, und »Krieg ist die Hölle« – so ist das nun mal, heißt es.

(Übersetzung: Jürgen Heiser)
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Wenn die Angst regiert...
[junge Welt; 03.05.04]

Mumia Abu-Jamal über sein neues Buch und die Einschränkung von Grundrechten in den USA

Am 16. April 2004 sprach Amy Goodman, Moderatorin des Radioprogramms »Democracy Now!«, mit Mumia Abu-Jamal, der aus dem Hochsicherheitsgefängnis SCI Greene in Waynesburg anrief, wo er, wie alle Gefangenen in den USA, gegen Bezahlung in Zeitabständen telefonieren darf. »Democracy Now!« befindet sich anläßlich eines Jubiläums des Senders KPFA, der für unabhängige Medien Pionierarbeit leistete, auf einer Tour durch 70 Städte, bei der über unabhängige Medienprojekte berichtet wird. junge Welt gibt das Gespräch gekürzt wider.

F: Sie haben ein neues Buch geschrieben mit dem Titel »We want Freedom – A Life in the Black Panther Party«. Wie schreiben Sie eigentlich Ihre Bücher im Gefängnis?

Das war bei jedem Buch anders. Das erste »... Aus der Todeszelle – Life on Death Row« habe ich ganz mit der Hand geschrieben. Es war eine Sammlung von Essays. Jemand kam auf mich zu und wollte, daß ich über Dinge schreibe, die mich interessieren. Ich schrieb eine Reihe von Essays, und Noelle Hanrahan vom Prison Radio Project stellte einige von ihnen zusammen und sagte, man könne daraus ein gutes Buch machen.

Jedes Buch hat seine eigene Entwicklungsgeschichte. Heute kann ich sogar eine Schreibmaschine benutzen, aber ich mache das im Alleingang und in einer Situation von Isolation und Vereinzelung. Ich halte einfach meine Augen und meine Ohren offen und mache mir Gedanken über die Geschichten, die niemand erzählt. Meine letzten beiden Bücher, also »We Want Freedom« und davor »Faith of our Fathers«, sind meine ersten historischen Arbeiten, in denen ich mich nicht mit der Gegenwart, sondern mit der Vergangenheit befasse. »We Want Freedom« schaut etwa 30 Jahre zurück, auf Entstehung und Entwicklung der Black Panther Party.

F: Können Sie über Ihr Leben in der Black Panther Party sprechen, also, wie alt Sie waren und welche Sichtweise auf die Partei Sie vom Gefängnis aus verbreiten wollen?

Als ich der Partei beitrat, war ich gerade 14 oder 15 geworden. Ich diente der Partei nicht nur in Philadelphia, sondern auch in der New Yorker Bronx und im National Office in Berkeley, Kalifornien. Dort habe ich ein paar bemerkenswerte Leute getroffen. Bei all dem, was ich gelesen habe, und ich habe das meiste gelesen, sicher nicht alles, aber...

[Computerstimme: Dieser Anruf kommt von einer Strafanstalt, wird überwacht und aufgezeichnet.]

...na, das wußten wir ja gar nicht, was!? Ich sagte, ich habe die meisten Bücher über die Black Panther Party gelesen und dabei festgestellt, daß viele wichtige Geschichten noch nicht erzählt wurden. Vor allem fehlt die Geschichte der Frauen in der Partei. Es gibt Frauen, die über ihre eigenen Erfahrungen in der Partei geschrieben haben, aber niemand hat über die einfachen weiblichen Parteimitglieder, die weniger bekannten Frauen geschrieben. Sie waren die eigentliche Seele der Partei, machten ihren Geist aus, waren ihr Rückgrat.

F: Es gibt jetzt gerade eine Diskussion, ob ein neuer Inlandsgeheimdienst geschaffen werden sollte. In Kapitel 6 schreiben Sie: »Das Imperium schlägt zurück: COINTELPRO«. Können Sie uns etwas über die Auswirkungen sagen?

Das war damals der Beginn von dem, was wir heute zu spüren bekommen. Postkontrolle, Wohnungsüberwachungen waren vor dreißig Jahren illegal. Auch der Einsatz von Informanten und agents provocateurs, um legale Organisationen zu zerstören. Viele der Agenten, die damals im staatlichen Auftrag solche Akte begingen, wurden von ihren Führungsoffizieren gewarnt: »Wenn du dabei erwischt wirst, wanderst du in den Knast!« Aber unter dem neuen Patriot Act wird das alles legal. Jetzt können sie legal in Privatwohnungen gehen, Telefone überwachen, Computer anzapfen, Karteien von Bibliotheken durchforsten, Dateien darüber anlegen, wer welche Bücher ausleiht, und sie infiltrieren legal Organisationen. Ich werde niemals vergessen, wie ich im Fernsehen kurz nach Verabschiedung des Patriot Act ein anerkanntes Mitglied des Repräsentantenhauses, einen schwarzen Abgeordneten, reden hörte, der sagte: »Ich habe für das Gesetz gestimmt, die meisten von uns stimmten dafür. Aber ich habe es nicht gelesen.« Ich wollte nicht glauben, was ich da hörte. Er sagte weiter: »Man hat uns gesagt, daß wir es tun müßten und daß wir es sofort tun müßten.« Das ist pervers und zeigt, daß wieder einmal die Angst zum bestimmenden Faktor der Regierungspolitik wird. Wenn die Angst regiert, geht das Recht den Bach runter.

(Übersetzung: Jürgen Heiser)

* Mumia Abu-Jamals »We Want Freedom – Ein Leben in der Black Panther Party« erscheint im Herbst im Atlantik Verlag
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»Gefährliche« Völker
[junge Welt; 21.02.04]

Warum die USA im Nahen und Mittleren Osten keine Demokratie wollen

»Wir wollen kein Imperium sein... Wir sind nicht imperialistisch. Wir waren es nie«, behauptete US-Verteidigungsminster Donald Rumsfeld am 28. April 2003 gegenüber dem Fernsehsender Al Dschasira. Diese Erklärung muß in vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens schallendes Gelächter ausgelöst haben. Die arabische Bevölkerung – insbesondere ihre gebildeten Eliten – weiß mehr über die US-Außenpolitik und die Geschichte als die Mehrheit der US-Bevölkerung. Rumsfeld konnte so etwas getrost sagen, weil er weiß, daß seine Landsleute nur eine mangelhafte, oberflächliche Bildung vermittelt bekommen und nicht viel über die US-Geschichte wissen. Dennoch mußte selbst ein neokonservativer Denker wie Max Boot vom Rat für Auswärtige Beziehungen einräumen, daß Rumsfelds Aussage nicht stimmte. Er erklärte: »Die Vereinigten Staaten sind mindestens seit 1803 ein Imperium, seit Thomas Jefferson das Territorium von Louisiana einnahm. Während des 19. Jahrhunderts«, so Boot weiter, »dehnte sich das, was Jefferson das ?Reich der Freiheit? nannte, über den gesamten Kontinent aus.« Er stellte fest: »Als sich die Macht der USA von Ozean zu Ozean erstreckte, griff das amerikanische Imperium nach dem Ausland und nahm sich Kolonien von Puerto Rico und den Philippinen bis nach Hawaii und Alaska.« (Max Boot, »Neither New Nor Nefarious: The Liberal Empire Strikes Back«, in: Current History, Nov. 2003, S. 361)

Aus der Sicht der Neokonservativen illustrieren diese Beispiele sehr gut das, was Boot »liberalen Imperialismus« nennt, nach seinen Worten ein schönes amerikanisches Etikett.

Doch für die, die besetzt und beherrscht werden, hat diese feine Unterscheidung keine Bedeutung. Kaum jemand wird behaupten, daß der irakische Widerstand heute schwächer ist als vor sieben oder acht Monaten. Er wurde gestärkt durch die Anwesenheit der US-Truppen, die sich jeden Tag mehr und mehr Irakis zu Feinden machen. Der »freundliche, gütige« Imperialismus wird die Irakis auch nicht deshalb besiegen, weil es ihm angeblich um »Demokratie« geht. Die Irakis wissen, daß es gerade die Demokratie ist, die das US-Imperium ersticken will. Daß sich der wahre Wille des Volkes ausdrückt, ist das letzte, was die USA wollen, weil sie wissen, daß sie sich dann sofort und bedingungslos aus dem Land zurückziehen müßten. Edward Said, der verstorbene palästinensische Gelehrte, hat dazu geschrieben: »Jedes Imperium will sich selbst und der Welt weismachen, daß es ganz anders ist als andere Imperien, daß seine Mission nicht ist, zu plündern und zu herrschen, sondern Bildung und Freiheit zu bringen. Diese Vorstellungen werden aber in keiner Weise von denen geteilt, die diesem Imperium unterworfen sind. Das hat aber die US-Propaganda- und Politikmaschinerie nicht davon abgehalten, jenen Amerikanern, die nur über erbärmlich unzulängliche Informationsquellen über Araber und den Islam verfügen, ihre imperiale Sichtweise überzustülpen.« (Edward Said, »Blind Imperial Arrogance«, in: Los Angeles Times, 22. Juli 2003)

Said führt zwei Beispiele aus der Region an, um zu zeigen, wie die USA Marionetten benutzten, um ihre ökonomischen Interessen zu schützen, gleichzeitig damit aber Staatsführungen schufen, die in ihren Heimatländern unpopulär oder zu verhaßten Figuren wurden. Das eine Beispiel ist Ägyptens Anwar El Sadat, der heute, ein Vierteljahrundert nach seiner Ermordung, schon fast in Vergessenheit geraten ist. Das zweite Beispiel ist der Schah von Persien, dessen blindwütige Repression die Islamische Revolution auslöste und zur Herrschaft der Mullahs führte. Professor Said erklärte in dem erwähnten Artikel in der Los Angeles Times: »Daß nach Sadat und dem Schah Herrscher an die Macht kamen, die weniger angenehm für die USA waren, beweist nicht, daß die Araber Fanatiker sind, sondern, daß die Entstellungen, die der Imperialismus produziert, weitere Entstellungen hervorbringen, einschließlich extremer Formen des Widerstands und politischer Rechthaberei.«

Wieso sollten wir annehmen, daß es im Irak nicht zu einer ähnlichen Entwicklung kommt? Im Oktober 2003 hat die US-Advisory Group on Public Diplomacy in the Arab and Muslim World einen Bericht veröffentlicht, der sich mit der »schockierenden Feindseligkeit gegenüber Amerika« befaßte. Das ist etwas mehr als ein Vierteljahr her. Die Verfasser wissen, daß die USA sich mit zu vielen repressiven Regimes in der Region gemein gemacht und sie unterstützt haben, die keinerlei Intention erkennen lassen, sich plötzlich in demokratische Regierungen zu wandeln. Sie erinnern an den Wahlsieg der Islamisten in Algerien und wie die USA beide Augen zudrückten, als die post-koloniale Regierung jene mit einer Welle staatlicher Repression überzog, die die Frechheit besaßen, die Parlamentswahlen legal zu gewinnen. In den Augen der US-Führung zeigte sich in Algerien, was passiert, wenn es »zu viel Demokratie« gibt!

Das letzte, was die Bush-Regierung will, ist eine Wiederholung dieser Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten.

(Übersetzung: Jürgen Heiser)
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Der Verrat an Aristide
[junge Welt; 21.02.04]

Weshalb die US-Administration den legal gewählten Präsidenten Haitis loswerden wollte

Es ist noch nicht lange her, als die Nachricht um die Welt ging, Haitis Präsident Jean Bertrand Aristide habe das Land verlassen und werde in einem nicht näher bezeichneten anderen Staat um Asyl bitten. Diese Meldung war die erschreckende Bestätigung dafür, daß das Bush-Regime alles andere tut, als für demokratische Verhältnisse einzutreten.

Die Bush-Administration hatte Aristide mit einem propagandistischen Sperrfeuer belegt und ihn für die ökonomischen Probleme seines Landes verantwortlich gemacht, während es doch die US-Regierung selbst war, die dafür gesorgt hatte, daß der Internationale Währungsfonds Anleihen kündigte, welche die Krise des Landes dramatisch vertieften. Sofort nach dem Amtsantritt von George W. Bush begannen die Versuche, Aristide loszuwerden.

Warum mochte die neue Administration ihn nicht? Das hatte nichts mit Menschenrechtsverletzungen zu tun oder Korruption, wie von den Medien gebetsmühlenartig wiederholt wird. Es hängt damit zusammen, daß die stärkste Bevölkerungsgruppe hinter Aristide die der armen Landarbeiter ist, die ihre ganze Kraft in die Lavalas-Bewegung gesteckt hatten, der es zu verdanken ist, daß die haitianische Machtclique um den Diktator Duvalier ins Exil geschickt wurde. Die wohlhabende Bourgeoisie in Haiti hat es dem Priester Aristide niemals verziehen, daß er diese Demokratiebewegung ausgelöst hat; es sind genau diese Elemente, die hinter den »Rebellen« stehen, die Aristide aus dem Amt gejagt haben.

Und es ist genau diese Bourgeoisie, die Freunde in den höchsten Rängen von Regierung und Geheimdiensten der USA hat. Wie sonst war es möglich, daß Emmanuel Constant, ein früher führender Kopf der rechtsgerichteten FRAPH (Front pour l?Avancement et le Progres Haitien), die jahrelang das haitianische Volk terrorisiert hat, in aller Seelenruhe und sehr komfortabel in Brooklyn, New York, leben konnte, obwohl die FRAPH wegen ihrer Verwicklung in Folter, Mißhandlungen, terroristische Gewalt und Mord in Haiti angeklagt war? Reicht Bushs »Krieg gegen den Terrorismus« nicht bis nach Brooklyn?

Als die Aristide-Regierung aufgrund der Anklagen wiederholt die Auslieferung von Constant forderte, wurden diese Ersuchen ignoriert. Warum wohl? Die USA wollten nicht, daß Constant Aussagen über die Unterstützung der FRAPH durch die CIA macht.

Was wir jetzt auf Haiti erleben, ist die Rückkehr der FRAPH in das alltägliche Leben Haitis – dieses Mal offen gefördert durch die US-Regierung.

Nur wenige Tage vor dem rechtsgerichteten Putsch haben Diplomaten der Staaten, die der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) angehören, nahezu allesamt geschworen, der haitianischen Aristide-Regierung beizustehen. Alle bis auf die USA. Mexiko gelobte Unterstützung, El Salvador und auch die von seiten der USA unter Beschuß stehende Republik Venezuela schlossen sich an. Aber letzten Endes waren das alles nur diplomatische Floskeln, und diplomatisches Gerede ist dann, wenn es hart auf hart kommt, eben nur Gerede. Am Ende hatten die Resolutionen der OAS wie auch anderer Organisationen keinerlei Konsequenzen. Was einzig zählte, war die Tatsache, daß die USA Aristide loswerden wollten. Und deshalb haben sie den legal gewählten Präsidenten Haitis ins Exil verfrachtet.

(Übersetzung: Jürgen Heiser)

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