01. April 2001

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Wer gründete die Nationale Befreiungsarmee?


Die Vereinigung der Organisationen, die während vieler Jahre im Untergrund verharrten.

Das Auftreten der Nationalen Befreiungsarmee hat die brüchigen Grundfesten Mazedoniens, des jüngsten Staates auf dem Balkan, erschüttert, welchem es in den zehn Jahren zu gelingen schien den Ausbruch eines Konfliktes zu vermeiden, der droht in einen Bürgerkrieg zwischen den Albanern und den Mazedoniern zu führen. Wir würden es in diesem Fall zum ersten Mal mit einem Konflikt zwischen diesen zwei Nationen zu tun haben, welche in der vergangenen Geschichte keine kriegerischen Erfahrungen machten. Diese neue Armee wurde mit der gleichen Logik des Modells der Befreiungsarmee Kosovas und der Befreiungsarmee von Presheva, Medvegja und Bujanovc organisiert. Der Unterschied zu denen besteht nicht so sehr in der Art und der verwendeten Taktik, sondern in deren Ziel.

Den Erklärungen und den von den Kommandanten und ihren politischen Sprechern gegebenen Interviews ist zu entnehmen, dass die räumliche Ausdehnung und die Handlungen dieser Organisation sich nicht auf den ganzen albanischen Raum ausdehnt, sondern sich auf das westliche Territorium Mazedoniens beschränkt, wo die Albaner die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ausmachen. Noch weiss man nicht genau wer hinter der Organisierung der UÇK steht und wieso die angestellten Vermutungen, verbunden mit diesem Problem, so vielfältig sind.

Das Auftreten der Nationalen Armee

Was mit Sicherheit bekannt ist, ist die Tatsache, dass am 15. Januar 2'000 in Podujeva von einer neuen und bis zu diesem Moment unbekannten Organisation, die sich Albanisch Nationale Armee (Armata Kombëtare Shqiptare - AKSH) nannte, Flugblätter verteilt wurden. Tatsächlich wurde in dieser Erklärung nur zum Beginnen eines bewaffneten Kampfes aufgerufen, aber nicht erwähnt gegen wen und mit welchen Absichten und Zielen. In der Erklärung wird in scharfer Form die Verbreitung der Kriminalität und der Prostitution in Kosova verurteilt, welche für die nationale Ehre der Bewohner Kosovas eine Beleidigung seien. Ein wenig später als drei Wochen, am 7. Februar, veröffentlicht die Nachrichten Agentur Kosovapress zum ersten Mal eine Erklärung der AKSH. In dieser Erklärung übernimmt diese Organisation die Verantwortung für den Angriff auf eine Polizeistation im Dorf Araçinova in Mazedonien. Bei dieser Aktion hätte man vier mazedonische Polizisten getötet. Man nahm an, dass hinter dieser Guerillaorganisation, welche, was die militärische Logik betrifft, wenig Gemeinsamkeiten mit einer Armee hat, eine kleine extremistische Partei in Kosova steht, die sich immer durch eine radikale Politik hervorgetan hat. Es handelt sich konkret um die Volksbewegung Kosovas LPK, welche auch wegen ihrer grossen Rolle, die sie bei der Bildung und der Politik der Befreiungsarmee Kosovas spielte, bekannt ist.

Wer unterstützt die Armee?

Die Aufmerksamkeit richtet sich auch auf eine Organisation ohne Bedeutung in der politischen Szene Kosovas, der Revolutionären Albanischen Partei (Partia Revolutionare Shqiptare - PRSH), einer illegalen Partei, die seit Jahren in Kosova existiert. Auch nach dem Einmarsch der NATO in Kosova blieb diese Organisation in der Illegaliät und handelt im Unterschied zur LPK, welche aktiv am politischen Leben in Kosova teilnimmt, im Untergrund. Ebenso unterscheidet sie sich auch von der Nationalen Bewegung zur Befreiung Kosovas (Lëvizja për Çlirimin Kombëtar - LKÇK), einer anderen Organisation, welche seit dem Juni 1999 in Kosova in der Legalität handelt und auch ihre Vertreter im Verwaltungsrat von Kosova hat. Wie alle ehemaligen illegalen Parteien in Kosova hatte auch die PRSH schon in der Zeit ihrer Bildung vor dem Jahr 1992 ihren militärischen Flügel gegründet, welcher sich "Bewaffnete Kräfte der PRSH" nannte. Diese vereinigten sich wie auch die "Guerilla der LKÇK" mit der UÇK. Aber mit der Teilnahme der UÇK an den Friedensgesprächen in Rambouillet nicht einverstanden, zog die PRSH im Februar 1999 ihre Soldaten zurück, welche in der operativen Zone VII der UÇK kämpften, die sich im Südosten Kosovas befand, wo heute das amerikanische Kontingent der KFOR sich befindet. Der bewaffnete Arm der PRSH wurde in der mazedonischen Presse als der Kern der AKSH in Mazedonien ausgemacht, in der sich auch ehemalige Teilnehmer der UÇK, die aber in keiner politischen Gruppe dabei sind, zusammengefunden haben. Dennoch hat der Sprecher der Revolutionären Partei die Anspielungen auf die Verbindungen dieser Partei zur Nationalen Armee dementiert. Gleichzeitig hat sie die starke Unterstützung, die die illegalen Organisationen der Armee gegeben haben bestätigt.

Wer ist die Revolutionäre Partei?

Es handelt sich um eine links exstreme Formation, die seit dem Herbst des Jahres 1999 versuchte eine Vereinigte Albanisch - Nationale Front zu organisieren, in der jene Gruppierungen, die den bewaffneten Kampf für die Unabhängigkeit Kosovas noch nicht als beendet ansahen, teilnehmen würden.

Die einzige Antwort kam von der Kommunistischen Partei Albaniens - PKSH, welche ihre Bereitschaft zur Teilnahme in dieser Vereinigung signalisierte. Die Idee war, dass die Vereinigte Albanisch - Nationale Front auch ihren bewaffneten Flügel haben würde, der sich Armee zur Nationalen Befreiung nenne würde. Die Revolutionäre Partei ist die einzige der vielen Parteien, die in Kosova tätig sind, welche die Verwaltung der UNO nicht anerkannt hat. Die UNMIK wollte zu Beginn mit dieser Partei wegen ihres extremen Programms, aber auch wegen der politischen Bedeutungslosigkeit dieser Partei (nur wenige Kosovaren unterstützen ihr Programm) keinen Kontakt aufnehmen. Später versuchte Kouchner mittels spezieller Kanäle mit dieser marxistischen Partei in Verbindung zu treten. Aber die Einladungen wurden von der PRSH abschlägig beantwortet, welche als einzige kosovarische Partei weder im Provisorischen Verwaltungsrat noch im Übergangsrat Kosovas vertreten ist, weil sie eine Zusammenarbeit mit der UNO - Verwaltung nicht akzeptierte. In diesen Organen nehmen alle politischen Parteien Kosovas teil, einschliesslich der LPK wie auch der LKÇK (Nationale Bewegung zur Befreiung Kosovas). Die Letztere hat ihren Namen noch nicht gewechselt, da sie Kosova noch nicht als befreit ansieht. Natürlich versteht es sich von selbst, dass es sich nicht im engen Wortsinn um eine "Befreiung" handelt, sondern um die Unabhängigkeit.

Die Revolutionäre Albanische Partei stellte ihre militärische Strategie an ihrem III. Kongress vor, welcher vom 10. - 15. April 2'000 im deutschen Sektor der KFOR in der Illegalität in Prizren abgehalten wurde. An diesem Kongress nahm auch eine Delegation der UÇPMB (zwei Leute) teil und des wurde betont, dass "der Kampf in Ostkosova für die Befreiung dieses albanischen Territoriums auf jede Art unterstützt werden müsse". Gemäss den Angaben dieser Partei beträgt die Anzahl ihrer Mitglieder 1'000 Leute und dies zeigt klar, dass der politische Einfluss und als Folge davon auch der militärische dieser Partei in der albanischen Bevölkerung sehr begrenzt ist. Ebenso können wird das Gleiche zu ihrem Einfluss auf die Kämpfer der UÇPMB sagen. Diese Partei, die auf dem ganzen Territorium des ehemaligen Jugoslawien tätig ist, hat die Kontakte mit den kommunistischen Parteien Albaniens abgebrochen, die gegenwärtig eine schwierige Zeit der Zerstrittenheit durchmachen. Die PRSH lehnte die Teilnahme ab, obwohl sie zu den Versuchen einer Vereinigung der Kommunisten Partei Albaniens von Hysni Milloshi und der Vereinigten Kommunistischen Partei Albaniens (PKBSH) eingeladen wurde. Die Letztere formierte sich am 5. Juni durch den Zusammenschluss der Neuen Partei der Arbeit Albaniens und der Kommunistischen Partei Albaniens - Wiederaufbau. Aber die Versuche zur Bildung einer einzigen Kommunistischen Partei schlugen fehl und führten zu keinem Resultat.

Hat die PRSH mit der UÇK in Mazedonien Verbindung?

Die mazedonische Regierung und ein Grossteil der Analytiker stellen in ihren Beurteilungen eine sehr oberflächliche Verbindung verbunden mit der PRSH und der Armee, die in den letzten Monaten auf den mazedonischen Territorium tätig ist, fest. Die romantischen Ideen der Revolutionären Partei scheinen in der heutigen Situation in der Organisierung der Guerilla zur Ausführung zu kommen, deren Aktionen in diesen Tagen die Ausmasse eines nicht erklärten Krieges annehmen. Da das Programm der Revolutionären Partei im Kern "die Befreiung der albanischen Bodens" enthält und die Nationale Armee jetzt die Realisierung der Rechte der Albaner Mazedoniens mit militärischen Mitteln verlangt, wird daraus geschlossen, dass diese beiden Organisationen miteinander verbunden sind und nicht nur das, sondern es wird auf naive Art erklärt, dass die Armee ein Geschöpf dieser Partei sei. Diese unbegründeten Schlussfolgerungen, die sehr oft nicht nur auf den Seiten der Zeitungen Mazedoniens, sondern auch auf jenen der westlichen anzutreffen sind, haben als Ziel das, was jetzt in Mazedonien geschieht, zu "ideologisieren". Auf diese Weise lassen sich die Handlungen von der internationalen öffentlichen Meinung und der Internationalen Gemeinschaft leichter verurteilen. Aber wie wir weiter oberen gesehen haben hat die Revolutionäre Partei eine sozusagen vernachlässigbare Unterstützung, darum wäre es für sie schwierig eine solche Organisation zu realisieren.

Wer organisiert die UÇK?

Es wird angenommen, dass in Mazedonien zwei UÇK existieren. Die eine ist mit Hashim Thaçi, die andere mit radikaleren Elementen verbunden. Laut dem französischen Journalisten Christophe Chiclet wird die Nationale Armee von Fasli Veliu organisiert und inspiriert, für welchen Mazedonien seit Jahren eine internationalen Haftbefehl erlassen hat.

Veliu wurde schon im Sommer 2'000 als Verantwortlicher für die Aussenbeziehungen der Volksbewegung Kosovas bestimmt, jener Partei, von welcher angenommen wird, dass sie direkten Einfluss zur Bildung dieser Armee hat. Man soll nicht vergessen, dass es genau diese Partei war, die die UÇK in Kosova formierte und deren Hauptführer in der politischen Führung der Armee Kosovas teilnahmen. Nachdem Veliu in Deutschland lebte ging er in die Schweiz und von da nach Albanien. Im Monat November hat der französische Geheimdienst ihn zu Gesprächen nach Frankreich eingeladen, aber Veliu hat das Visum, das ihm angeboten wurde, abgelehnt. Die gleiche Einladung ging auch an Emrush Xhemajli, den Chef der LPK und Shefit Xhaferri, der Letztere ein Albaner aus Mazedonien. Als der Leitungsrat der LPK mit dem Einmarsch der NATO - Truppen in Kosova die Auflösung dieser Bewegung und die Bildung einer neuen Partei mit dem Namen Vereinigte Demokratische Partei unter der Leitung von Bardhyl Mahmuti beschloss, war Xhemajli damit nicht einverstanden. Er sagte, dass LPK ihr Programm nicht verwirklicht habe und darum weiter existieren solle. Ein aufmerksamer Blick auf die Armee von Presheva und jener von Mazedonien macht die existierenden Verbindungen, die es zwischen den Beiden gibt, kenntlich. Der militärische Kommandant der UÇPMB, Shefket Hasani, hat rund 20 Jahre in der Schweiz gelebt, wo er als Mechaniker arbeitete. Eine Tochter von ihm ist mit Emrush Xhemajli verheiratet. Gleichzeitig hatten sie auch Verbindung mit Hashim Thaçi. Diese Freundschaft wurde im Sommer des vergangenen Jahres, als Hasani Thaçi des Missbrauchs der gesammelten Gelder für die UÇPMB anklagte, abgebrochen.

Koordinierung der Aktivitäten

Das was wir jetzt sehen, was während der Monate Februar und März geschah, ist die Konsequenz eines zuvor bestimmten Programms. Daher hat beim Ausbruch des Konfliktes in Mazedonien die Unterzeichnung der Übereinkunft über die Grenzziehung zu Jugoslawien keinen besonderen Einfluss gehabt, wie dies einige Analytiker darstellen. Diese Übereinkunft hat den Guerrillas einen "offiziellen" Vorwand zum Beginn ihrer Aktionen auf dem Territorium Mazedoniens geliefert. Die Erklärung ist in einer Übereinkunft zwischen der UÇK Mazedoniens und der UÇPMB vom Monat Mai des Jahres 2'000 zu finden. Es ist die Rede von jenem militärischen Teil der UÇPMB, welcher die Waffenstillstandsübereinkunft vom 24. März 2'000 nicht akzeptierte. So einigten sich die Mitglieder der zwei militärischen Formationen auf eine gemeinsame Taktik, welche auf er Koordinierung ihrer Aktionen beruhen würde. Auf Grund dieser Übereinkünfte sollte die AKSH (oder UÇK) mit ihren Aktivitäten in Mazedonien nur in dem Moment, wenn die Gespräche zur Lösung der Konflikte in Ostkosova beginnen würden, anfangen. In diesem Moment würde der radikale Flügel der UÇPMB den Kampf der Nationalen Armee Mazedoniens auch konkret unterstützen. Die Letztere würde an den Handlungen der UÇPMB teilnehmen und würde sich folglich während des Jahres 2'000 in Ostkosova aufhalten. Daher befinden sich jetzt jene Kämpfer, von denen man weiss, dass sie in Serbien gekämpft haben, in Mazedonien, indem sie bei den Journalisten für Verwirrung sorgen, welche denken, dass es sich um die gleiche Organisation handelt, die unter zwei verschiedenen Namen auftritt. Der vereinbarte Plan zwischen den zwei Armeen wurde bis jetzt exakt durchgeführt. Dies ist auch die Erklärung wieso die ersten militärischen Handlungen im Norden von Mazedonien, an der Grenze zu Serbien, realisiert wurden und nicht in einer inneren albanischen Zone, wie im Umkreis von Tetova oder jener von Gostivar, jener Zonen, die in einer zweiten Phase der militärischen Aktionen einbezogen würden. Die Ausbreitung der Kämpfe in den letzten Tagen auch in der Stadt Tetova beweist die Richtigkeit dieses Planes.

Die militärische Strategie der UÇK

Die Besonderheiten der militärischen Taktik sind nicht bekannt. Was die Strategie betrifft scheint es, dass sich die Kampfzonen in zwei Hauptrichtungen ausbreiten: Nach Süden und nach Osten in Richtung albanischer Grenze. Dort ist das Terrain gebirgiger und folglich günstig für den Angriff und Rückzug der albanischen Guerillas. Das Terrain ist in diesem Fall von jenem in Kosova sehr verschieden und geht zu Gunsten der Albaner, deren Eliminierung durch die mazedonischen militärischen Kräfte sozusagen unmögliche sein wird. Was mehr Fragezeichen hinterlässt ist die Tatsache, welches diesmal die Besonderheiten der Kämpfe, verbunden mit den Aktionen und der Art der militärischen Ziele sein werden. Ebenso weiss man nicht genau welche Art Waffen verwendet werden, aber es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass bis jetzt die Albaner der Nationalen Befreiungsarmee nur einen Teil der leichten Bewaffnung verwendet haben. Dies ist aus der Entwicklung der Aktionen ersichtlich, welche der angewandten Taktik der UÇK zu Beginn in Kosova ähnelt. Die Ähnlichkeit besteht im momentanen Ziel der Armee, welches nicht in der Befreiung von Zonen, die von Albanern bewohnt werden besteht und auch nicht in der materiellen oder zahlenmässigen Schadenszufügung der mazedonischen Armee. Sie will, so wie vor zwei Jahren die Befreiungsarmee Kosovas handelte, mit ihren Aktionen eine scharfe Reaktion der mazedonischen Armee mit Hilfe der Armee und der Polizei provozieren. Durch eine solche Reaktion würde die albanische Guerilla eine "Legitimität" gewinnen und vor allem würden sie sich eine breitere Unterstützung in der albanischen Bevölkerung in Mazedonien sichern und wenn dies gelingen würde, dann hätte ihre Mission so zu sagen das schwierigste Kettenglied realisiert.

Geschrieben für die Zeitschrift für geopolitische Studien "LIMES" und im Zusammenarbeit mit dem Internationalen Studienzentrum in Rom.

Veröffentlicht in der albanischen Tageszeitung "Gazeta Shqiptare" vom 1. 4. 2001