Als in Zürich bekannt wurde, dass die Palästinenserin Leila Khaled als 1.-Mai-Rednerin auftritt, gab es Proteste - politisch von links bis rechts. Und nicht von ungefähr. Die heute 57-jährige Frau hatte sich als Flugzeugentführerin und Terroristin einen fragwürdigen Namen gemacht. Leila Khaled - eine politische Reizfigur, wird auch ein Thema für Luzern. Als Ouvertüre zu ihrem Zürcher Auftritt referiert sie am 28. April hier, im «Barfüesser»; auf Einladung der Linksorganisation Phase 1. Von ihr wird Leila Khaled als «Symbol der palästinensischen Revolution» genannt.
«Luftpiratin»
Kann man eine Frau öffentlich auftreten lassen, die selbst von den Organisatoren in der Einladung zu diesem Anlass unter anderem als «Luftpiratin» bezeichnet wird?
Dazu befragte Luzerner Politikerinnen und Politiker stehen im Grossen und Ganzen der angekündigten Präsenz Leila Khaleds skeptisch gegenüber. Sie plädieren wohl rundwegs für eine längst fällige, gerechte Lösung der grossen Probleme der Palästinenser, überhaupt generell der Wirren im Nahen Osten; ob indessen ausgerechnet diese Frau mit ihrer Vergangenheit die richtige Person hierfür sei, dazu werden Fragezeichen gesetzt.
FDP-Politiker und Grossstadtratspräsident Peter Brauchli beispielsweise findet es «problematisch und völlig daneben» einer Person wie Leila Khaled ein solches Podium zu bieten. Ihre Vergangenheit sei «zu belastend». Von «gemischten Gefühlen» angesichts dessen, was da ablaufen soll, spricht Rita Misteli, FDP-Fraktionspräsidentin im Grossen Stadtrat. Es sei unbedingt wichtig, dass zum aktuellen nahöstlichen politischen Geschehen die Stimme Palästinas gut gehört werde, betont sie. Für die Sache Palästinas wäre es indessen weitaus besser gewesen, eine andere Stimme als jene von Leila Khaled auftreten zu lassen, «nicht eine durch Terror belastete», bedauert die FDP-Politikerin.
Dramatisch und traurig
Auch auf der politischen Gegenseite tönt es ähnlich. SP-Präsident Markus T. Schmid hebt hervor, wie wichtig es sei, über die gesamthaft dramatische und traurige Situation im Nahen Osten zu reden und einen Friedensprozess zu fördern. Leila Khaled sei jedoch kaum geeignet, die Botschaft Palästinas zu vermitteln.
Auch Ruedi Schmidig, Fraktionschef der Grünen im Grossen Stadtrat, kann sich für das bevorstehende Gastspiel Leila Khaleds in Luzern nicht erwärmen. «Diese Frau polarisiert.» Gerade weil das Geschehen im Nahen Osten derart bewegt, müssten Kräfte in den Vordergrund treten, die sich für friedliche Lösungen einsetzen. Man sollte Tauben einladen, nicht Falken.
Mark Schmid, der Präsident des Grünen Bündnisses, will der Präsenz Leila Khaleds in Luzern im Kontext zum traditionellen 1. Mai nicht allzu grosse Bedeutung beimessen. Es bestehe doch ein wesentlicher Unterschied zwischen der offiziellen 1.-Mai-Veranstaltung linker Parteien und Gewerkschaften und einem zu diesem Tag organisierten inoffiziellen Anlass einer politischen Organisation wie der Phase 1. «Der offizielle 1.-Mai-Redner hat ein ganz anderes Gewicht, eine ganz andere Bedeutung», betont Mark Schmid.
Gut oder schlecht?
Über die Richtigkeit Leila Khaled einzuladen, mag der Präsident der Grünen nicht richten. Er masse sich nicht an, darüber zu befinden, ob diese Frau nun eine gute oder schlechte Palästinenserin sei, lautet seine Einstellung. Jedenfalls sei es «angebracht, auch diese Stimme anzuhören».
«Sie hat aus der Vergangenheit gelernt», versichert ein Mitglied der Phase 1. Der junge Luzerner Eugen Scheuch ist fest davon überzeugt, dass für den Frieden im Nahen Osten andere Lösungsansätze erforderlich seien, als jene, die Sharon und Arafat praktizierten. Es bestehe die Chance, dass Leila Khaled neue Perspektiven aufzeige.
Falsch verstandene Freiheit
Auch mit dieser Option: Im Hinblick auf die öffentliche Präsenz der «Luftpiratin» Leila Khaled in Luzern fragt Hugo Benjamin, der Präsident der Jüdischen Gemeinde Luzern, rhetorisch: «Wie würde man wohl reagieren, wenn ein Israeli, als ehemaliger Terrorist, einen solchen Auftritt erhielte?» Er befürchtet, dass diese Frau allenfalls «falsche Fakten rüberbringt, die dann möglicherweise ohne die ganzheitlichen Zusammenhänge irrig interpretiert werden». Terror ist schlimm für beide Seiten in diesem Konflikt - dessen ist sich Hugo Benjamin völlig bewusst. Dies dürfe aber nicht zu einer falsch verstandenen Freiheit führen, die nun durch die Einladung einer derart umstrittenen Person manifest werde.
Das aktuelle «Problem Khaled» ortet CVP-Grossstadtrat Markus Mächler, zuständig für Politik in der Parteileitung, vorab in ihrem öffentlichen Auftritt. Wenn sie lediglich einem geschlossenen, ausgewählten Kreis gegenüberstünde, wären Einwände schwer vertretbar, meint er.
Nicht geschicktes Vorgehen
Schliesslich wertet Roland Habermacher, SVP-Fraktionschef im Grossen Stadtrat, die Einladung Leila Khaleds als «nicht geschicktes Vorgehen». Mit Befremden habe er dies zur Kenntnis genommen, «war diese Frau, der nun ein Podium geboten wird, doch eine der meistgefürchteten Terroristinnen».
Bleibt die Frage, was sich die Pfarrei St. Maria zu Franziskanern als Vermieterin des «Barfüessers», dem Auftrittslokal von Leila Khaled, dachte. «In den Satzungen ist festgehalten, dass der Barfüesser ein offenes Haus ist, das Begegnungen und Auseinandersetzungen verschiedenster Gruppierungen ermöglichen will», erläutert Franziskanern-Pfarrer Justin Rechsteiner. Eine Bedingung sei daran geknüpft; faire Auseinandersetzung, nicht Scharfmacherei. Pfarrer Rechsteiner ist sich jedoch bewusst: «Wir gehen mit unserer offenen Haltung ein Risiko ein.»
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