10. April 2001

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People or profit?

Zum Pharma-Prozess in Pretoria, Südafrika.

In Solidarität mit Millionen Wehrlosen.

In Südafrika sind 4.5 Millionen Menschen, also rund 10 Prozent der Bevölkerung, mit dem HI-Virus infiziert, eine erschreckende Zahl, die in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. AIDS ist nicht heilbar. Doch mit Hilfe neuer Nachahmungs-Medikamente wäre es möglich, den Ausbruch der Krankheit bei den Infizierten zu verzögern und ihnen ein würdiges Leben zu ermöglichen. Verschiedene Konzerne sind bereit, diese Präparate zu produzieren und zu angemessenen Preisen an den südafrikanischen Staat zu liefern . Genau dies soll nun aber verhindert werden.

Die erschwinglichen Cocktails gegen AIDS sind der Pharma-Lobby nämlich ein Dorn im Auge. So klagen 41 Pharmamultis, unter ihnen die Roche, gegen den südafrikanischen Staat, um den Import von Generika (Kopien) der teuren Originalpräparate zu verbieten. Dies, obwohl die Originalmedikamente mit einem Preis von 12Œ000 &Mac246; 18Œ000 Fr. pro Jahr und Patient in Südafrika ohnehin kaum Absatz finden.

Unter dem schützenden Mantel der WTO wurden vor einigen Jahren die TRIPs-Abkommen unterzeichnet, die per 1. Januar 1995 in Kraft traten. Diese Agreements bilden durch den Schutz der Patentrechte das Fundament der Festung des industrialisierten Nordens im Globalisierungskampf. Sie erlauben den transnationalen Konzernen, ihre Hegemonialstellung im Süden zu festi-gen und auszubauen und lassen zu, dass benötigte Güter ihren Weg zu den Bedürftigen nicht finden.
Wir opponieren heftigst gegen diese neoimperialistische Politik und ihre Auswüchse.

Der Roche-Konzern ist einer der 39 klagenden Pharmamultis, die den Staat Südafrika und somit symbolisch die gesamte "Dritte Welt" in die Knie zwingen und ein Exempel statuieren wollen. Der "Pharma-Prozess" wird am 18. April in Pretoria wieder aufgenommen. Die Gesetzesänderung der Regierung Mandela aus dem Jahre 1997 wird angefochten, Parallelimporte von bezahlbaren und wirksamen Generika sollen verboten, die Patentrechte auf Pharma-Produkte auch im Fall einer Seuche aufrecht erhalten werden. Medikamente gegen den HI-Virus sollen auch in Zukunft nur von der besitzenden Bevölkerungsschicht konsumiert werden können und für die bedürftige Mehrheit unerschwinglich bleiben.

Wir fordern von Roche, die Teilnahme an diesem passiv verübten Genozid unverzüglich aufzukünden, die Beteiligung an der Anklage zurückzuziehen und die Monopolstellung zumindest im Trikont zu Gunsten der Menschlichkeit aufzugeben. Jeder Mensch hat das Recht auf Gesundheit und ein würdiges Leben. Die Globalisierung darf nicht einseitig auf die Kosten der dritten Welt geschehen, eine globalisierte Wirtschaft erfordert ein globales Verantwortungsbewusstein!

Nicht alleine angesichts der Tatsache, dass Roche im südlichen Afrika nur einen minimalen An-teil ihrer Produkte absetzt (wir stützen uns auf die Berichte des Jahres 1999 und des 1. Halbjahres 2000), scheint uns die Erfüllung dieser Forderungen keineswegs abwegig. Mit einer Sitzblockade vor dem Haupteingang des Roche-Konzerns wollen wir auf offensive, aber gewaltfreie Art und Weise das Schweigen brechen und unsere Forderungen unterstreichen.

Peace! Solidarity! Resistance!

JUSO Schweiz