news
Der Lakota/Ojibwa-Indianer Peltier wurchs hauptsächlich bei seinen Grosseltern in der Turtle Mountain Chippewa Reservation in North Dakota auf. Mit neun Jahren besuchte er für drei Jahre die vom Bureau of Indian Affairs (BIA) betriebene Schule in Wahpeton. Nach seinem Hauptschulabschluss 1957 kehrte er in die Turtle Mountain Reservation zurück. Hier begannen ein Jahr später seine erste Konflikte mit dem Gesetz. Als Zuschauer nahm er an einem damals verbotenen Sonnentanz teil. Er wurde von BIA-Polizisten festgenommen. Einige Zeit später wurde er ein zweites Mal verhaftet, diesmal weil er versucht hatte, von einem Vorratstruck der Army Dieselöl abzuzapfen, um das Haus seiner Grossmutter zu heizen.

Noch im selben Jahr entschloss sich Peltier, für die Anliegen seines Volkes zu kämpfen.

1968 wurde in Minneapolis das American Indian Movement (AIM) gegründet, eine Widerstansbewegung, die sich gegen die Unterdrückung durch die Weissen zur Wehr setzte. Nach der Aufsehen erregenden Besetzung der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz schloss sich Peltier der Widerstandsbewegung an. Am 8. März 1970 besetzte er mit anderen Aktivisten das leerstehende Fort Lawton bei Seattle. Die Besetzung endete mit der Inhaftierung der Beteiligten. Später wurde das Fort jedoch den Indianern übergeben und dort ein kulturelles Zentrum eingerichtet.

1972 nahm Peltier am Marsch der gebrochenen Verträge nach Washington D.C. teil. Nachdem BIA-Beamte ihr Versprechen - den Ältesten Unterkünfte zu besorgen - nicht eingehalten hatten, besetzten die AIM-Mitglieder das BIA-Gebäude. Bei der Besetzung agierte Peltier als Sicherheitschef.

In den 1970er-Jahre herrschten in der Pine Ridge Reservation in South Dakota bürgerkriegsähnliche Zustände, die gegen 300 Indianern das Leben kostete. Die Lakota-Indianer der Reservation riefen das AIM zur Hilfe, um sich gegen paramilitärische Truppen und FBI-Agenten zu schützen. Unter anderen leistete Leonard Peltier dem Hilferuf Folge. Am 26. Juni 1975 wurden bei einer Schießerei zwei FBI-Agenten und ein Indianer getötet. Peltier floh nach Kanada und wurde später als Mörder der beiden FBI-Agenten festgenommen; der Tod des Indianers wurde bis heute nie untersucht.

Es folgte ein sehr umstrittenes Gerichtsverfahren. Bald zeichnete sich ab, dass die US-Amerikanische Justiz keine Beweise gegen Peltier hatte. Trotzdem wurde er 1977 für schuldig befunden und zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt. Leonard Peltier gilt bei Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, Incomindios Schweiz oder der Gesellschaft für bedrohte Völker als politischer Häftling. Nebst Menschenrechtsorganisationen und Institutionen wie der EU fordern über 25 Millionen Menschen seine Freilassung, darunter Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Rigoberta Menchú und der Dalai Lama. Erfolglos. Peltiers Anwälte durchliefen sämtliche Instanzen des amerikanischen Rechtssystems. Peltier sitzt nach 28 Jahren noch immer in Haft. Obwohl in den USA viele Indianer politische Häftlinge sind, und Peltier also nur einer unter vielen, entwickelte er sich zu einem panindianischen Führer und Hoffnungsträger.

Inzwischen ist Peltiers Unschuld auch innerhalb der indianischen Gemeinschaft umstritten. Im Jahr 2002 veröffentlichte Paul DeMain, Herausgeber der indianischen Zeitung News from Indian Country und langjähriger Unterstützer Peltiers, einen Bericht, in dem er zu dem Schluss kam, dass Peltier für die Erschießung der beiden Agenten verantwortlich war.

DeMain (ein Oneida-Indianer) und seine Kollegen hatten jahrelang den Tod von Annie Mae Pictou-Aquash untersucht, einer Peltier nahestehenden AIM-Aktivistin, die Ende 1975 ermordet worden war. Sie befragten Dutzende von Personen und kamen zu dem Schluss, dass Pictou-Aquash getötet wurde, um Peltiers Verantwortung für den Tod der beiden Agenten zu vertuschen. 2003 wurden zwei AIM-Mitglieder wegen der Entführung und Ermordung Pictou-Aquashs angeklagt.

DeMain erhielt mehrere journalistische Auszeichnungen für seinen Bericht. Peltier verklagte ihn wegen Verleumdung. Das Verfahren endete im April 2004 mit einem Vergleich.

[Quelle: Wikipedia]


Literatur

- Martin L. Hofmann: Indian War. 2000: Atlantik Verlag, Bremen
- Peter Matthiessen: In the spirit of Crazy Horse. 1980: The Viking Press, New York
- Leonard Peltier: Mein Leben ist mein Sonnentanz. 1999: Zweitausendundeins, Frankfurt a. M.
- Nando Stöcklin: Leonard Peltier - Die Bedeutung eines Häftlings für die Indigenen Amerikas. 2000: Incomindios Schweiz (Hg.), Zürich


Links:

http://www.freepeltier.org/
http://peltierfree.de.vu/
Amnesty International
Disinfopedia-Artikel
, über den Fall Peltier (auf Englisch)
Der Artikel von Paul DeMain (auf Englisch)
American Indian Movement
Incomindios Schweiz


Was war in der Pine Ridge Reservation am 26. Juni 1975 passiert?

1975 - genauer am Morgen des 26. Juni - griffen FBI-Agenten ein Camp der Oglala in der Pine Ridge Reservation im US-Bundesstaat South Dakota an. Bei diesem Feuergefecht kam ein Indianer Joseph Stuntz (Little Joe Kills Right) und zwei FBI-Agenten Ron Williams und Jack Coler ums Leben. In der Presse wurde es dargestellt, das FBI-Agenten Jimmy Eagle festnehmen wollten und dabei von 16 bis 32 schwer bewaffneten Indianern überfallen worden wären. Die Bundesregierung verwendete diese Attacke des FBI zur Zensur und Kontrolle der Medien. Das gesamte Reservat wurde daraufhin von 200 FBI-Agenten besetzt, dazu wurden gepanzerte Mannschaftswagen, M16-Automaticgewehre, Granatwerfer in Stellung gebracht - unterstützt noch zusätzlich von Hubschraubern.

Begründet wurde dieser militärische Aufmarsch mit der Suche von Mördern an den zwei FBI-Agenten. In der Pine Ridge Reservation wurde aber niemand festgenommen, da die beiden Agenten keinen Haftbefehl bei sich hatten. Jimmy Eagle war auch am Tag des Feuergefechts nicht anwesend. Die FBI-Agenten hatten keine legale Berechtigung das Grundstück von Johnny Bull zu betreten. Sie waren angeblich auf der Suche nach zwei gestohlenen Cowboystiefeln. Die zwei FBI-Agenten wurden anschließend in ihrem Auto tot aufgefunden. Wegen zahlreicher Übergriffe durch das FBI hatten Jim Eagle, Bob Rodideau und Dino Butler - alles AIM-Mitglieder - ein Verteidigungslager eingerichtet. Die drei Native American flohen, wurden aber gefangengenommen.

Das FBI behauptete, dass an dem Überfall auf ihre Agenten 32 Oglala beteiligt waren, festgenommen wurden aber nur vier. Da Jimmy Eagle im Oglala Camp nicht anwesend war, wurde die Anklage gegen ihn fallengelassen. Dino Butler und Robideau wurden nun angeklagt und die Gerichtsverhandlung fand im Juni und Juli 1976 in Cedar Rapids im Bundesstaat Iowa statt. Die Beschuldigungen des FBI wirkten aber unglaubwürdig, weshalb beide Angeklagten von einem aus nur Weißen bestehenden Geschworenen-Gremium freigesprochen wurden. Im Februar des Jahres 1976 wurde Leonard Peltier, der in Kanada um politisches Asyl gebeten hatte, festgenommen und an die USA ausgeliefert. In einem unfairen Gerichtsverfahren im April 1977 erhielt er eine Haftstrafe von zweimal lebenslänglich.

Butler, Peltier und Robideau waren in der Reservation anwesend auf Bitten der hier lebenden Frauen und Kinder. Auf der Pine Ridge gab es keinen Schutz, weshalb diese drei Männer hier lebten, damit die Leute sich sicherer fühlen konnten.

Der wahre Grund der Anwesenheit des FBI auf der Pine Ridge Reservation konnte nicht nachgewiesen werden. Diente er der politischen Verfolgung oder den Interessen der Industrie? Auf dem Stammesgebiet der Pine Ridge und Rosebund wurden Erdöl, Erdgas und weitere Bodenschätze gefunden. Am 26. Juni - der Tag des Überfalls - unterzeichnete der illigale Stammespräsident Richard Wilson in Washington einen Vertrag, der 1/8 des Reservationsgebietes dem Innenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika übereignete. Der Überfall auf das Camp der Oglala durch das FBI sollte ein gutgeplantes Ablenkungsmanöver darstellen. Für die US-Regierung war es immer eine gebräuchliche Vorgehensweise, wenn Indianer etwas hatten, ihnen es wegzunehmen, damit die Industrie hohe Gewinne einfahren konnten.


Der Fall Leonard Peltier

Die Anklage gegen Dino Butler und Bob Robideau, die wegen der Schießerei vom 26. Juni angeklagt waren, wurde fallengelassen. Das FBI begann Ermittlungen gegen Leonard Peltier. Als dieser davon erfuhr, flüchtete er nach Kanada und bat um politisches Asyl. Myrtle Poor Bear, die auf Pine Ridge lebte, wurde vom FBI gedroht, dass es ihr genauso ergehen würde wie Anna Mae Aquash, die tot mit einer Kugel im Kopf in Pine Ridge gefunden wurde. Daraufhin unterschrieb sie eine eidesstattliche Erklärung dessen Inhalt sie nicht kannte. In dem Dokument stand, dass sie die Freundin von Leonard Peltier wäre und den Mord gesehen hatte. Nach dieser schriftlichen Äußerung lieferte Kanada L. Peltier an die USA aus und ein Prozeß des Rassenhaßes begann. Vom Richter wurden fast alle Anträge der Verteidigung abgelehnt, hingegen die der Anklage zugelassen. Bei Entlastungszeugen wurden die Geschworenen ausgeschlossen, Belastungsmaterial wurde vom Staatsanwalt falsch ausgelegt, ein FBI-Beamter wollte durch das Teleskop seines Gewehres Peltier aus einem Kilometer Entfernung gesehen haben - also ein Prozeß der rechtswidrig und von einer fairen Verhandlung weit entfernt war. Die Beratung der Geschworenen - nur Weiße - dauerte 9 Stunden, es kam zu einem Schuldspruch und der Richter verurteilte Leonard Peltier zu zweimal lebenslänglich. Trotz Berufung der Verteidigung bis zum Obersten Gerichtshof wurde das Urteil rechtswirksam und Peltier kam ins Gefängnis Marion in den Bundesstaat Illinois - das sicherste Gefängnis der Vereinigten Staaten und Ersatz für Alcatraz. Die Gefangenen werden hier überwacht mit Kamera und Tonband, um sie psychisch kaputt zu machen.

Leonard Peltier wurde 1979 in das Gefängnis in Lompoc in Kalifornien verlegt. Hier sollte er von einem indianischen Mithäftling dazu überredet werden, aus dem Gefängnis zu fliehen, damit man ihn auf der Flucht erschießen könnte. Peltier hatte Angst vor einem Anschlag und ihm gelang es aus dem Gefängnis zu entkommen. Zwei weitere Gefangene schlossen sich der Flucht an und wurden entweder nahe dem Gefängnis in einem Wäldchen festgenommen oder als der andere sein Versteck verließ, erschossen. Auf Leonard Peltier wurde ein Steckbrief ausgehängt und ein Farmer entdeckte fünf Tage später Peltier auf seinem Feld. Peltier gelang es, dem Farmer das Gewehr und den Autoschlüssel abzunehmen und mit dem Lastkraftwagen seines Opfers zu fliehen. Der Farmer alarmierte die Polizei. Ein Großaufgebot der Polizei verfolgte Peltier und konnten ihn auch stellen. Bei der Festnahme wäre er beinahe erschossen worden, ein Deputy-Sheriff konnte dies gerade noch verhindern. Auch der nun folgende Prozeß ähnelte dem ersten. Die Mitgefangenen durften nicht aussagen und Leonard Peltier erhielt zu seinen zweimal lebenslänglich noch sieben weitere Gefängnisjahre hinzu.

Zahlreiche Proteste konnten nicht verhindern, dass Leonard Peltier nach Marion zurückgebracht wurde. Hier ist es an der Tagesordnung die Menschen seelisch zu zerbrechen, ständige Bespitzelung durch Kameras und Tonbänder, rassistische Beschimpfungen der Wärter und Zwangsmedikation. Den Gefangenen wird die Droge Prolexin verabreicht, die die Gefangenen zum Selbstmord treibt. In diesen Gefängnis gibt es auch Zellen ohne Tageslicht, schallisoliert, hohe Temperaturen, wenige Nahrung und verringerte Medikamentenzufuhr.

Wenn man beide Prozesse unvoreingenommen miteinander vergleicht, so kommt man zu dem Eindruck, dass ein politischer Rachefeldzug stattgefunden hat. Aus Prestigegründen konnte sich die US-Regierung nicht leisten, dass es für zwei erschossene FBI-Agenten keinen Täter gab und deshalb ein Täter her mußte, obwohl zweifelsfrei feststeht, dass Leonard Peltier gar nicht der Täter war. In den USA kam es nicht zum ersten Mal vor, dass verurteilte und hingerichtete Täter im Nachhinein freigesprochen worden sind. Obwohl man die Namen der wahren Täter heute wahrscheinlich kennt und feststeht das Leonard Peltier nicht geschossen hat - Zeugenaussagen absichtlich manipuliert wurden - ist bis zum heutigen Tag noch keine Begnadigung erfolgt.

Dieser Fall ist die skandalöseste Manipulation des Rechts in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Hier sieht man was mit Native American passiert, wenn sie sich gegen das Unrecht der US-Regierung wehren.

Seit vielen Jahrzehnten setzen sich indianische Stammesräte, zahlreiche bekannte Menschenrechtler aus der ganzen Welt, Kirchenorganisationen wie auch Politiker für die Freilassung des inhaftierten Bürgerrechtlers ein. Mehr als 20 Millionen Menschen weltweit fordern die Freilassung des indianischen Bürgerrechtlers. Unter ihnen sind namhafte Politiker, Kirchenführer und Künstler, wie Nelson Mandela, Richard von Weizäcker, Michael Gorbatschow, der Dalai Lama, König Albert von Belgien, Jesse Jackson, Bischof Desmond Tutu, Harry Belafonte, Jane Fonda, Kris Kristofferson, Oliver Stone und viele mehr.

Alle Proteste und Gegenbeweise konnten die US-Regierung bis heute nicht erweichen, Leonard Peltier freizulassen. Vergeblich haben Sympathisanten auf den mächtigsten Politiker der Welt gesetzt, der als Einziger dem schon zweimal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagenen Leonard Peltier die Freiheit zu schenken. Selbst der Richter, der Peltier einst ins Gefängnis brachte, verlangt heute die Aufhebung seines eigenen Urteils.

Auch die Freunde Leonard Peltiers wollen nicht aufgeben. Es wurde das heute weltweit vernetzte "Leonard Peltier Unterstützungskomitee" ins Leben gerufen. Durch das amerikanischen "Freedom of Information"-Gesetz können nun Rechtsanwälte die Manipulationen des Prozesses aufdecken. Dies geschah mit Erfolg, denn 1986 muss Lynn Crooks, der ermittelnde Generalstaatsanwalt, in einem Berufungsverfahren zugeben, dass bis heute niemand weiss, wer die tödlichen Schüsse auf die beiden FBI-Agenten abgegeben hat. Das Urteil gegen Leonard Peltier müsse aufgehoben werden, fordert nach der Leitung zweier Berufungsverfahren schliesslich auch Richter Heaney.

Doch das FBI wehrt sich, Leonard Peltier freizulassen, da sie mit allen Mitteln versuchen wollen nicht noch mehr Gesicht zu verlieren. Am 16. Juli 1994 richtet sich deshalb die mächtige Polizeibehörde in der angesehenen "Washington Post" mit einem ganzseitigen Inserat an die Adresse des damaligen Präsidenten Bill Clintons: "Dear Mr. President: Leonard Peltier ermordete zwei FBI-Agenten. Er verdient keine Milde." Auch Amnesty International, das Europaparlament, 55 Mitglieder des US-Kongresses, 60 Mitglieder des kanadischen Parlaments und 70 Abgeordnete des deutschen Bundestages verlangen eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Doch die juristischen Möglichkeiten sind unterdessen erschöpft.

Jeder der sich an der Befreiungsaktion beteiligen möchte, sollte an den derzeitgen Präsidenten der Vereinigten Staaten schreiben oder faxen oder auch mailen. Der Brief kann selbst verfaßt werden oder auch ein auf der Homepage der GfbV vorgefertigten Formular (Sie werden mit diesem Link direkt auf die entsprechende Webseite weitergeleitet) abgerufen werden, welches man sofort mailen kann.


nach oben

Das Grundsatzpapier von Phase 1 stellt eine Gesellschaftsanalyse aus unserer linken Sicht dar. Daraus wollen wir konkrete Positionen und Aktionsfelder ableiten. Es handelt sich um eine Momentaufnahme, da das Papier in internen Diskussionen ständig weiter entwickelt wird.

Post: phase 1, Postfach 4017, 6002 Luzern
E-Mail: mail[at]phase1.net












News:

19. Juli 2005
Vier Rechtsextreme wegen Rassendiskriminierung verurteilt

Rechte mischen sich unters Volk

Gesuch für die Demonstration gegen Faschismus eingereicht

Flucht in Kasernen

Für neue Verfassung

Denn Ruhe ist Dreck!

Geheimkrieg in Afghanistan