15. Februar 2002

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"Das Areal als Landreserve behalten"

Das Referendum gegen eine Zonenplanänderung für das Areal Industriestrasse ist zu Stande gekommen. Im Juni soll abgestimmt werden. Kommtes dann zu einem Eigentor?

Beim Komitee Pro Industriestrasse herrscht Freude: Das vor weniger als einem Monat lancierte Referendum gegen den Beschluss des Grossen Stadtrates, das stadteigene Areal Industriestrasse für eine Überbauung von der öffentlichen in eine Arbeits- und Wohnzone umzuteilen, ist zu Stande gekommen. Und zwar «innert kürzester Zeit», erläuterte gestern das von der linkspolitischen Luzerner Phase 1 getragene Referendumskomitee, das per Volksabstimmung eine «lebendige Industriestrasse fordert». Laut Komitee kamen über 1100 Unterschriften zusammen, mehr als die für ein Referendum erforderlichen 800 sind mittlerweile beglaubigt worden.


Perspektive, die nicht behagt

Dies bedeutet, dass voraussichtlich im Juni dieses Jahres die Stimmberechtigten entscheiden, was auf diesem Areal im Tribschenquartier geschieht - oder eben nicht geschieht. Ursprünglich war geplant, auf dieser Fläche in der Zone für öffentliche Zwecke den städtischen Werkhof neu zu bauen. Eine unerwartete Konstellation hatte indessen ermöglicht, den Bau günstiger im Ibach zu erstellen. Für eine - allerdings nicht zonenkonforme - Zwischennutzung mit befristeten Verträgen konnten sich an der Industriestrasse kleine Gewerbebetriebe, Ateliers und ein Flohmarkt etablieren.
Am 13. Dezember 2001 hatte der Grosse Stadtrat dem Antrag des Stadtrates zugestimmt, das gut 15 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche umfassende Areal von der bisher öffentlichen neu in eine Arbeits- und Wohnzone umzuteilen. 2500 Quadratmeter sollen bindend als Wohnfläche, der Rest für Büros und Dienstleistungsbetriebe genutzt werden. Eine Perspektive, die der Phase 1 nicht behagte und das Referendum auslöste.


Referendumsszenario eingeplant

Das Komitee erläutert, dass das Referendum «bei der Luzerner Bevölkerung auf eine breite Akzeptanz stösst». Anders wäre der grosse Sammelerfolg nicht möglich gewesen. Viele seien nicht damit einverstanden, «dass kleine Gewerbebetriebe und Kulturschaffende einer grossen Überbauung weichen sollen».
Komiteemitglied Eugen Scheuch kreidet den Planern «Mangel an städtebaulich visionären Ideen» an, wie er gestern auf Anfrage sagte. Seiner Meinung nach könnte ein Ideenwettbewerb aufzeigen, «wie dieses Areal der Bevölkerung künftig am besten zugute kommt».
Baudirektor Kurt Bieder zweifelt daran, ob die Initianten des Referendums, wie er gestern auf Anfrage sagte, «die Tragweite ihres Vorgehens überhaupt ganz begriffen haben». Denn falls das Referendum an der Abstimmung durchkomme, bleibe das Areal in der Zone für öffentliche Zwecke: «Der vom Komitee gewünschte Mix von Kleingewerbe und Kultur, so wie er heute - wenn auch nur auf Zusehen hin - an der Industriestrasse besteht, wäre dort nicht mehr möglich.» Im Gegenzug bestehe kein Bedürfnis für öffentliche Bauten in dieser Gegend. Scheuch plädiert dafür, dieses stadteigene Land nicht an Investoren zu veräussern, sondern als Landreserve («damit sind wir nicht gesegnet in der Stadt Luzern») zu behalten.

«Wäre katastrophales Signal»

Zu den Investoren zählt nach wie vor das Luzerner Uhren- und Bijouterieunternehmen Bucherer, das mit der Stadt einen Vorvertrag für den Bau eines neuen Betriebsgebäudes auf dem Industriestrasse-Areal abgeschlossen hat. Allerdings hatte sich in der Zwischenzeit eine neue Ausgangslage ergeben: Das Unternehmen könnte allenfalls frei werdende Räume der De Beers Diamond Trading übernehmen. Die Diamond Trading ist im von Bucherer betriebenen Hauptsitz an der Langensandstrasse einquartiert. Ob dies der Fall wird, ist laut Aussage des Bucherer-Direktionsvorsitzenden Adelbert Bütler allerdings noch «völlig offen». Diese Woche fand die erste Verhandlung zwischen Bucherer und De Beers statt. «Das Areal Industriestrasse bleibt für uns noch immer eine Option», betont Bütler auf Anfrage.
Erschwert das Referendum nun die Situation? Darüber habe er sich noch keine Überlegungen gemacht», erklärt Adelbert Bütler. Aber eines weiss er jetzt bereits, wie er auf Anfrage betont: «Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass die Bevölkerung dies gutheisst. Denn das wäre wirtschaftlich ein absolut katastrophales Signal für die Stadt Luzern.»




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