22. Januar 2002

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Komitee «Pro Industriestrasse»
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MEDIENMITTEILUNG


Luzern, 22. Januar 2002


Referendum gegen die Mega-Überbauung im Gebiet Industriestrasse
Für eine lebendige Industriestrasse


Sehr geehrte Medienschaffende

Im Dezember beschloss das Luzerner Stadtparlament die Umzonung eines grossen Areals an der Industriestrasse und gab damit grünes Licht für eine Mega-Überbauung, die hauptsächlich aus Büropalästen und Lagerräumen bestehen wird.

Nun hat das Komitee «Pro Industriestrasse» beschlossen, gegen diesen Entscheid das Referendum zu ergreifen.

Falls das heute lebendige Industriestrassen-Areal tatsächlich einem toten Bürokomplex weichen sollte, geht einer der letzten Freiräume in der Stadt Luzern verloren. Ein Freiraum, der von verschiedenen Gewerbetreibenden, KünstlerInnen und Kulturschaffenden auf vielfältige Art und Weise genutzt wird (z.B. Proberäume, Ateliers, Flohmarkthaus etc.). Sie leben und arbeiten an der Industriestrasse und machen sie zu einem wichtigen Farbtupfer in einer ansonsten eher von Grau dominierten Stadt. Solche Farbtupfer tragen entscheidend zur Lebensqualität dieser Stadt bei.


Kommerzielle Interessen vor Lebensqualität

Nun soll also ein weiteres Stück Lebensqualität rein kommerziellen Interessen zum Opfer fallen. Dabei ist offen, ob die Wirtschaft wirklich weiterer Bürokomplexe bedarf. Kaum war nämlich der Entscheid im Stadtparlament gefallen, hat die Firma Bucherer die Redimensionierung ihres Megaprojekts angekündigt. Genau diejenige in Luzern privilegierte Firma Bucherer, die mit ihren vermeintlichen Bau-Bedürfnissen massgeblich zum Umzonungsentscheid beigetragen hat.

Die geplante Überbauung an der Industriestrasse ist kein Einzelfall, sondern nur ein weiterer Schritt einer radikalen Umgestaltung, der das ganze Gebiet zwischen der Aufschütte und dem Geissensteinring unterworfen wird. Dadurch werden weitere wichtige Orte des Luzerner Kulturlebens verdrängt, beispielsweise der Wärchhof, der Pavillon der Luzerner Spielleute und das Théatre La Fourmi.


Kultur ist mehr als das KKL

Die geplante Liquidierung der Industriestrasse entlarvt auch die vom Stadtrat gern bemühte Rede von der «Kulturstadt» Luzern als Phrase. Kultur beginnt hier offenbar erst Kultur zu sein, wenn sie sich etabliert hat. Kulturpaläste wie das KKL sind zwar Orte, an denen der Konsum und Genuss von Kultur oder bestenfalls die Auseinandersetzung mit ihr im Mittelpunkt steht. Mit einem lebendigen und innovativen Kulturleben hat das aber wenig zu tun. Es scheint vergessen zu gehen, dass eine «Kulturstadt» auch Freiräume braucht, an denen Kultur entstehen sowie geschaffen und gelebt werden kann. Wenn es der Stadtrat wirklich Ernst meint, dürfte er einen Ort wie die Industriestrasse unter keinen Umständen einem reichen Konzern überlassen.


Gegen den faulen Kompromiss

Während der Debatte über die Zukunft der Industriestrasse sah es lange Zeit danach aus, dass die Mitte-Links-Parteien SP und Grünes Bündnis das Megaprojekt bekämpfen würden. Wegen des Zugeständnisses eines kleinen Wohnanteils, der in den Betonpalast integriert werden soll, schwenkten sie jedoch ein. Das Ganze ist aber nichts anderes als ein fauler Kompromiss. Es geht nämlich gerade nicht darum, dass noch ein paar Neubauwohnungen entstehen. Vielmehr geht es darum, freien Kultur- und Wohnraum zu erhalten. Es geht darum, dass Luzern nicht vollends den Konzernen und den kommerziellen Zwängen überlassen wird.

Beim Kampf für eine lebendige Industriestrasse geht es letztlich darum, ein Stück städtische Lebensqualität zu erhalten.

Mit freundlichen Grüssen

Komitee «Pro Industriestrasse»


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